Glaubt nicht an Diäten: Fritz Horber, Facharzt für Innere Medizin und Adipositas-Spezialist. (Foto: Sebastian Albrich)
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Liechtenstein|12.10.2018

«Könnte man Schritte von der Steuer absetzen, würden sich die Leute mehr bewegen»

INTERVIEW - Fritz Horber, ehemaliger Chefarzt des Landesspitals, leitet heute das Ärztezentrum Reichenburg und führt dort die Adipositas-Sprechstunde. Das «Volksblatt» hat mit ihm über die Zivilisationskrankheit Fettleibigkeit und die möglichen medizinischen und politischen Lösungen gesprochen.

Glaubt nicht an Diäten: Fritz Horber, Facharzt für Innere Medizin und Adipositas-Spezialist. (Foto: Sebastian Albrich)

INTERVIEW - Fritz Horber, ehemaliger Chefarzt des Landesspitals, leitet heute das Ärztezentrum Reichenburg und führt dort die Adipositas-Sprechstunde. Das «Volksblatt» hat mit ihm über die Zivilisationskrankheit Fettleibigkeit und die möglichen medizinischen und politischen Lösungen gesprochen.

"Volksblatt": Die Menschen werden von Jahr zu Jahr dicker. Was sind die Ursachen für die zunehmenden Gewichtsprobleme in westlichen Ländern?

Fritz Horber: Es ist eine Frage von Ausgaben und Einnahmen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die körperliche Arbeit und die allgemeine Bewegung der Menschen stark reduziert: Statt 10 000 Schritte am Tag machen wir noch etwa 4000 bis 5000. Gleichzeitig weist unsere Ernährung heute eine wesentlich höhere Kaloriendichte auf. Ausserdem brauchen wir weniger eigene Energie, um unsere Körpertemperatur zu regulieren. Im Sommer kühlen wir die Räume statt zu schwitzen, im Winter heizen wir ausgeprägt, sodass wir auch ohne Pullover nicht frieren. Eisblumen an den Fenstern kennen wir nicht mehr. Dies zeigt sich auch in Erhebungen: Dort, wo Klimaanlagen häufiger sind, sind die Menschen auch übergewichtiger und die US-Amerikaner heizen im Winter etwa 5 Grad wärmer als früher.

Die WHO hat der Adipositas schon vor Jahren den Kampf angesagt. Wie kann diese Zivilisationskrankheit eingedämmt werden?

Durch mehr tägliche Bewegung und die Reduktion der energiedichten Ernährung, zum Beispiel durch weglassen aller kalorienhaltigen Getränke ausser einem Glas Wein pro Tag. Zudem liesse es sich durch begleitende Massnahmen forcieren: Eine Möglichkeit wäre die Besteuerung energiedichter Nahrungsmittel oder dass man die täglichen Schrittzahlen von den Steuern abziehen könnte. 

Wie könnten solche Massnahmen konkret umgesetzt werden?

Das ist eigentlich ganz einfach, schliesslich ist heute sowieso auf jedem Lebensmittel angegeben, wieviele Kalorien pro 100 Gramm enthalten sind. Dann wären beispielsweise 80 Kalorien pro 100 g steuerfrei und danach nimmt der Steuersatz progressiv zu. Ähnlich der Zuckersteuer in England. Wobei man eigentlich die Energiedichte anstelle des blossen Zuckers besteuern sollte, denn die hat insgesamt dramatisch zugenommen. Im Mittelalter waren es durchschnittlich etwa 120 kcal/100 g, heute sind es eher 250 kcal/100 g Nahrung. Würde man dies besteuern, würde man die Leute in die richtige Richtung lenken können. Denn die Entscheidung fällt über das Portemonnaie. Dasselbe gilt für die tägliche Bewegung. Könnte man die täglichen Schritte von der Steuer absetzen, würden sich die Leute in Liechtenstein wesentlich mehr bewegen.

"Eine Möglichkeit, die Adipositas einzudämmen, wäre die Besteuerung energiedichter Nahrungsmittel."

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(sa)

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