Eine baldige Wiederbesiedlung Liechtensteins durch Wölfe ist inzwischen gar nicht mehr unwahrscheinlich. (Foto: RM/DPA/Patrick Pleuel)
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Liechtenstein|10.10.2018

Regierung bereitet sich auf die Rückkehr des Wolfs vor

VADUZ - Aufgrund des Wolfsrudels am Calandamassiv, könnten auch in Liechtenstein bald wieder Wölfe auftauchen. Deshalb hat die Regierung ein Konzept ausgearbeitet, das Schäden verhindern und gleichzeitig das Tier selbst schützen soll.  

Eine baldige Wiederbesiedlung Liechtensteins durch Wölfe ist inzwischen gar nicht mehr unwahrscheinlich. (Foto: RM/DPA/Patrick Pleuel)

VADUZ - Aufgrund des Wolfsrudels am Calandamassiv, könnten auch in Liechtenstein bald wieder Wölfe auftauchen. Deshalb hat die Regierung ein Konzept ausgearbeitet, das Schäden verhindern und gleichzeitig das Tier selbst schützen soll.  

Seit den 1990er-Jahren zeichnet sich in den Zentralalpen eine Wiederbesiedlung durch den Wolf ab. Die Integration des Wolfes bringt jedoch eine grosse Herausforderung für den Artenschutz mit sich. Aus diesem Grund hat nun die Regierung ein Massnahmenkonzept ausgearbeitet, das die Zusammenarbeit mit benachbarten Regionen erlaubt. Denn die durchschnittliche Reviergrösse eines Wolfs beträgt zwischen 200 bis 250 km2. Somit wäre Liechtenstein mit seiner Gesamtfläche von 160 km2 lediglich ein Teil des Streifgebiets, was die Zusammenarbeit mit den Kantonen St. Gallen und Graubünden sowie dem Bundesland Vorarlberg unerlässlich macht.

Ein Zusammenleben gewährleisten

Die zwei Hauptziele des Wolf-Konzepts sind zum einen der Schutz der Nutztiere, zum anderen der Schutz des Wolfs selbst. Dies wird vor allem dadurch erreicht, dass man Voraussetzungen für ein Leben und einer Reproduktion der Wölfe schafft. Der Bevölkerung soll die Lebensweise des Wolfs nähergebracht werden und auch Kriterien für den Abschuss von Einzelwölfen oder Rudeln sollen ausformuliert werden. Für den Schutz gegen Schäden steht folgende Zielsetzung im Fokus: Konflikte mit der Landwirtschaft, dem Jagdwesen, dem Tourismus sowie der Bevölkerung gelte es zu minimieren. Zudem seien zu Schadensverhütung und -vergütung Grundsätze zu formulieren. Vor allem aber soll verhindert werden, dass die Einschränkungen in der Nutztierhaltung unzumutbar werden. Für die Umsetzung des Konzepts werden verschiedene Ämter und Kommissionen zusammenarbeiten. Das Amt für Umwelt wird sich unter anderem um die Überwachung der Wölfe sowie um das Sammeln von Hinweisen kümmern, während die internationale Kommission und die Nachbarkantone Aufgaben wie Datenerhebungen und Fragen zum Herdenschutz behandeln werden. Des Weiteren werden auch zusätzliche schweizerische Stellen wie das landwirtschaftliche Zentrum St. Gallen sowie mit der Organisation für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (KORA) bei der Umsetzung mitwirken.

Abschuss nur im Notfall erlaubt

Wie aus dem Konzept hervorgeht, sollen anwesende Wölfe in erster Linie geschützt werden. Werden die Tiere aber zu einer aktiven Bedrohung, können diese zum Abschuss freigegeben werden. Dies ist jedoch erst der Fall, wenn eine bestimmte Anzahl Nutztiere von einem Wolf bzw. einem Rudel gerissen wurden. Die Richtlinien unterscheiden sich leicht, wenn es sich nicht nur um ein bedrohliches Einzeltier, sondern um ein ganzes Rudel handelt. Ein Einzelwolf wird zum Abschuss freigegeben, wenn er innerhalb von vier Monaten mindestens 35 Nutztiere oder innerhalb eines Monats 25 Nutztiere tötet. Dasselbe gilt auch, wenn der Wolf 15 Nutztiere tötet, wenn bereits im Vorjahr Schäden verzeichnet wurden. Bei Schäden an grösseren Nutztierarten wie bei Rindern oder Pferden, kann die Mindestanzahl der getöteten Tiere verhältnismässig reduziert werden. Anders sieht es bei Abschüssen in Wolfsrudeln aus. Hier dürfen Tiere bei Gefahr nur dann zum Abschuss freigegeben werden, wenn sich das Rudel innerhalb eines Jahres erfolgreich fortgepflanzt hat. Die Anzahl der freigegebenen Tiere darf die Hälfte der im laufenden Jahr geborenen Jungtiere nicht übersteigen. Zudem sind die Elterntiere generell zu verschonen. Eine Abschusserlaubnis wird in der Regel erteilt, wenn das Rudel innerhalb von vier Monaten 15 Nutztiere gerissen hat.

Beeinträchtigtes Jagdverhalten

Die Tatsache, dass es bei Angriffen auf Nutztiere öfters zum Tod mehrerer Tiere kommt, kann auf das natürliche Jagdverhalten des Wolfs zurückgeführt werden. Im Normalfall jagt und reisst ein Wolf ein einziges Tier, während die anderen fliehen. Dass ein Wolf in einem Schafspferch jedoch gleich mehrere Nutztiere tötet, erklärt Monika Gstöhl, Geschäftsführerin der Liechtensteinischen Gesellschaft für Umweltschutz, gegenüber dem «Volksblatt» wie folgt: «Durch den Tumult in der Schafherde, wird der Jagdtrieb des Wolfs weiter angefacht. Deshalb reisst er meist gleich mehrere Tiere auf einen Schlag.» Hier geht es nicht um unnatürliches Wolfsverhalten, sondern um unnatürliche Beute. «Würden die Kadaver nach dem Angriff nicht entsorgt werden, würde sich der Wolf nach und nach daran verpflegen», so Gstöhl weiter. Der Wolf darf somit nicht automatisch als bedrohlich und gewalttätig angesehen werden. Grundsätzlich muss ein Weg gefunden werden, dass Mensch und Wolf Seite an Seite leben können. Dabei sei es vor allem wichtig, dass der Lebensraum des Wolfs klar von demjenigen des Menschen abgegrenzt ist: «Der Wolf muss Respekt und Distanz gegenüber dem Menschen wahren. Keinesfalls darf der Wolf durch Fleischabfälle oder Köder in Richtung Siedlungsräume gelockt werden, sonst wird es sich der Wolf, ähnlich wie schon der Fuchs, in der Nähe von Wohngebieten gemütlich machen.»

Hinweis: Am Dienstag, den 6. November 2018, wird das Amt für Umwelt um 18 Uhr im Foyer des Vaduzer Saals eine Informationsveranstaltung zum Konzept Wolf durchführen.

(mw)

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