Symbolfoto: Michael Zanghellini
Politik
Liechtenstein|13.09.2018 (Aktualisiert am 13.09.18 13:28)

«Eine neue Hymne ist nichts Unpatriotisches»

Hansrudi Sele verfolgt weiterhin die Idee einer neuen Hymne. Auf einer Webseite lädt er zur Diskussion und zum Einbringen konkreter Vorschläge ein. Sollte sich die Politik dessen dann nicht annehmen, will Sele selbst aktiv werden.

Symbolfoto: Michael Zanghellini

Hansrudi Sele verfolgt weiterhin die Idee einer neuen Hymne. Auf einer Webseite lädt er zur Diskussion und zum Einbringen konkreter Vorschläge ein. Sollte sich die Politik dessen dann nicht annehmen, will Sele selbst aktiv werden.

«Volksblatt»: Herr Sele, Sie lassen nicht locker mit Ihrem Vorschlag, Liechtenstein eine neue Hymne zu schenken. Das Jubiläum nähert sich aber mit schnellen Schritten: Geht sich das überhaupt noch pünktlich aus?

Hansrudi Sele. (Foto: Zanghellini)

Hansrudi Sele: Die Einführung einer neuen, eigenen Nationalhymne ist nicht an das 300-Jahr-Jubiläum gebunden. Als letzten Sommer alle Vorschläge für nachhaltige Jubiläumsprojekte bachab gingen, dachte ich mir, dass eine neue Nationalhymne wohl das Nachhaltigste wäre, was man realisieren könnte. Denkbar wäre, dass man im Jubiläumsjahr die Entscheidung fällt, eine neue Hymne einzuführen. Der Gedanke, dass Liechtenstein eine Volkshymne mit einer eigenen Melodie haben sollte, die international unverwechselbar ist, beschäftigt mich schon länger.

Die Politik zeigte sich nicht gerade begeistert, wie volksblatt.li am 18. August berichtete. Sie sind jedoch der Meinung, dass es keine Vorsteherkonferenz und keine Gemeinderatsbeschlüsse brauche, um die Hymne zu ändern. Welche Schritte wären dann dazu nötig, um eine allfällige Version offiziell zu verankern?

Dass sich die Politik zurückhält, war für mich nicht überraschend. Ich denke aber schon, dass es letztlich eine Sache der Politik, also von Regierung und Landtag ist, eine Grundsatzentscheidung zu treffen und in der Folge ein Projekt zu initiieren.

Sie schreiben, Sie haben zahlreiche Rückmeldungen erhalten. Wie lautet denn der Tenor?

Ich war überrascht, als ich feststellte, dass viele Leute meinen Vorschlag unterstützen. Es gab einige positive Rückmeldungen in den Leserbriefspalten.

"Es geht dabei darum, dass wir ein eigenes Markenzeichen haben und nicht ein von den Engländern abgekupfertes."

Nur ein Leserbriefschreiber aus Deutschland empfahl, die derzeitige Melodie beizubehalten. Mir gegenüber hat sich nur eine Person negativ geäussert. Ich werde jedoch immer wieder im unterstützenden Sinne angesprochen.

Auf der Schlosswiese und im Rosengarten zeigten sich dagegen die wenigsten offen für eine Änderung der Hymne – wie erklären Sie sich das, ist man am Staatsfeiertag einfach besonders patriotisch?

Eine neue Landeshymne ist nichts Unpatriotisches. Im Gegenteil, es geht dabei darum, dass wir ein eigenes Markenzeichen haben und nicht ein von den Engländern abgekupfertes. Vor Jahren gab es ein Fussball-Länderspiel zwischen Liechtenstein und England. Auf unserem Balkon in der Nähe des Rheinpark-Stadions bekommen wir solche Fussballbegegnungen akustisch mit. Das Hohngelächter der englischen Fans, als diese feststellten, dass die Liechtensteiner keine eigene, sondern die englische Hymne spielten, ist mir eingefahren. Damals dachte ich: Das kann nicht sein. Der Schlossgarten am Staatsfeiertag ist wohl der falsche Ort und Zeitpunkt für eine solche Meinungsumfrage.

Stören Sie sich eigentlich hauptsächlich an der Melodie oder braucht es auch einen neuen Text?

Die Melodie an sich gefällt mir, zu ihr habe auch ich eine emotionale Bindung. Jedoch ist der Umstand, dass wir keine eigene Melodie haben, zunehmend störend.

"Ich würde es den Akteuren aus unserem Land wünschen, dass sie im Ausland nicht zur englischen Melodie strammstehen müssen."

Bei Sportanlässen, wo es zu Länderbegegnungen kommt, oder auch bei Siegerehrungen, werden die Nationalhymnen gespielt. Diese Auftritte werden übers Fernsehen in alle Welt hinausgetragen. Ich würde es den Akteuren aus unserem Land wünschen, dass sie im Ausland nicht zur englischen Melodie strammstehen müssen. Übrigens: Beim Fussball-Länderspiel gegen Gibraltar am vergangenen Sonntag wurde nicht Gibraltars offizielle Nationalhymne «God save the Queen», sondern «Gibraltar Anthem», die zweite offizielle Hymne des britischen Hoheitsgebietes, gespielt. So ist die Peinlichkeit wie beim Spiel gegen England vermieden worden.
Was den Text für eine neue Hymne betrifft, wird man wohl nicht um eine neue Version herumkommen. Aber es gibt genug Literaten im Land, die hierfür Vorschläge machen könnten.

Auf hymne.li kann man eigene Vorschläge einbringen. Sind denn tatsächlich schon Musiker oder Musikvereine auf Sie zugekommen, die eigene Ideen parat hätten?

Bis heute sind zwei Vorschläge eingegangen. Donat Negele aus Triesen hat Rheinbergers «An die Heimat» eingespielt. Stephanie Hasler aus Gamprin hat die Neukomposition «Unser Liechtenstein» geschickt. Ich selber denke auch noch an eine weitere Melodie aus der Sammlung von Liechtensteiner Liedern. Es ist aber nicht jedermanns Sache, eine Melodie einzuspielen. Vorerst geht es jedoch vor allem um die Grundsatzdiskussion: Soll es eine neue eigene Hymne geben oder soll alles beim Alten bleiben?

Haben Sie schon einen Favoriten?

Mir persönlich gefällt die Melodie «An die Heimat» von Joseph Gabriel Rheinberger bis jetzt am besten.

Wie geht es nun weiter?

Im Zentrum steht die Diskussion und Meinungsbildung. Auf der Website www.hymne.li kann, wer will, Pro- oder Kontra-Stellung bezie­hen. Wenn es viele Befürworter gibt, liegt der Ball zur Entscheidung wohl bei Regierung oder Landtag. Die Einführung einer neuen Volkshymne ist ein längeres Prozedere. Es könnten das Amt für Kultur oder die Liechtensteinische Kulturstiftung mit diesem Projekt beauftragt werden. Sollte seitens der Politik trotz mehrheitlicher Befürwortung einer neuen eigenen Hymne das Musikgehör fehlen, könnte auch eine Initiative ins Auge gefasst werden.

Würden Sie eine solche Initiative in die Wege leiten?

So eine Initiative würde ich nicht allein, sondern sicherlich mit einer Gruppe Gleichgesinnter initiieren.

Dann darf man damit rechnen, dass eine eigene Hymne die Politik in naher Zukunft beschäftigen wird – ob sie will oder nicht?

So ist es.

(df)

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