Symbolfoto: Michael Zanghellini
Politik
Liechtenstein|13.09.2018 (Aktualisiert am 13.09.18 20:48)

Ex-Radio-Intendant Matter: «Ich gehe bis zum bitteren Ende»

Wenn Ex-Intendant Martin Matter vor Gericht gewinnt, wird es teuer für Radio L. Doch der Verwaltungsrat von Radio L scheint sich seiner Sache sicher. Minister Daniel Risch sieht sich derweil nicht in der Verantwortung. Im Landtag wird er reden müssen.

Symbolfoto: Michael Zanghellini

Wenn Ex-Intendant Martin Matter vor Gericht gewinnt, wird es teuer für Radio L. Doch der Verwaltungsrat von Radio L scheint sich seiner Sache sicher. Minister Daniel Risch sieht sich derweil nicht in der Verantwortung. Im Landtag wird er reden müssen.

Eigentlich hätte er im Falle einer Kündigung noch sechs Monatslöhne zugute gehabt. Doch jetzt steht Martin Matter auf der Strasse: fristlos entlassen. Am Dienstagnachmittag sagte der Verwaltungsrat dem Radio-L-Intendanten, er könne seine Sachen packen.

Martin Matter. (Foto: ZVG)

«Ich vermute, dass man schlicht versucht, die sechs Monate Kündigungsfrist zu umgehen», sagt Matter am Tag danach. In seinem Kündigungsschreiben finde er nämlich keinen Anhaltspunkt, der einen anderen Schluss zulasse, so der Ex-Intendant: «Da steht einfach ‹aus wichtigen Gründen fristlos›.»

Und die ihm mündlich vorgetragenen Kündigungsgründe? «Selbst wenn das alles tatsächlich der Wahrheit entspräche, wäre dies niemals genug für eine fristlose Entlassung», ist Matter überzeugt. Eine Abmahnung verbunden mit der Aufforderung, sein angeblich ungebührendes Verhalten zu ändern, habe er schliesslich auch nie bekommen.

Verwaltungsrat offenbar schon länger unzufrieden

Dem Ex-Intendant wird vorgeworfen, er sei illoyal gewesen, weil er sich herablassend über den Verwaltungsrat und die Regierung geäussert haben soll. Auch um seinen Umgang mit Finanzen sei es im Kündigungsgespräch gegangen.

«Sobald mir die Kündigungsgründe schriftlich vorliegen, werde ich sie öffentlich machen.»

Martin Matter, Ex-Radio-Intendant

Diese vagen Aussagen bestätigte auch der Verwaltungsrat des Liechtensteinischen Rundfunks (LRF) am Mittwoch gegenüber dem «Volksblatt». Wie zudem aus einem Frage-Antwort-Katalog, den der Verwaltungsrat für Medienanfragen ausgearbeitet hat, hervorgeht, sei Matter seinen Aufgaben schon länger nicht mehr vollumfänglich nachgekommen. «Die Probleme waren bekannt, haben sich aber in den letzten Monaten akzentuiert», heisst es dort. Pikant: Matter arbeitete gerade mal acht Monate für den LRF.

Hildegard Hasler. (Archivfoto: Trummer)

Konkrete Ereignisse will Verwaltungsratspräsidentin Hildegard Hasler auf Anfrage aber nicht nennen. Der Schutz der Persönlichkeitsrechte von Martin Matter wiege mehr als das öffentliche Interesse.

Ob er die Gründe vollumfänglich benennen will, entscheidet also Martin Matter und dieser verspricht: «Sobald mir die Kündigungsgründe schriftlich vorliegen, werde ich sie öffentlich machen.» Er will diese Auflistung nun gerichtlich einfordern und dann auch gegen die seiner Meinung nach ungerechtfertigte fristlose Entlassung vorgehen. «Ich suche mir einen Anwalt, der mich in der Sache vertritt und gehe den juristischen Weg bis zum bitteren Ende», sagt der Ex-Intendant.

Fehleinschätzung wäre teuer

Sicher ist: Wenn Matter recht bekommt, wird die Angelegenheit für den finanziell ohnehin angeschlagenen Rundfunk teurer als sechs Intendantenmonatslöhne. «Wir sind uns unserer Verantwortung und auch des Risikos durchaus bewusst», sagt Hildegard Hasler. Sorgen mache sich der LRF-Verwaltungsrat im Moment aber nicht. Man sei «juristisch gut aufgestellt» und überzeugt, die Faktenlage reiche aus für eine fristlose Kündigung.

Daniel Risch. (Foto: Zanghellini)

Politische Verantwortung bei Risch

Der fürs Radio zuständige Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch wurde über diese «Faktenlage» bereits vor der ausgesprochenen fristlosen Kündigung informiert. Sein Urteil will er auf Anfrage aber nicht preisgeben. Verantwortlich für die Geschäftsführung sei schliesslich der Verwaltungsrat, meint der Minister.

Risch trägt am Ende jedoch die politische Verantwortung, denn die Regierung hat die Oberaufsicht über den LRF. Inwiefern er diese Aufgabe wahrgenommen hat, will nun die Landtagsfraktion der FBP im Oktober im Parlament klären.  Dies vor dem Hintergrund, dass bereits einen Monat später – im November-Landtag – über das Budget 2019 und damit auch über die Zukunft des Landessenders entschieden werden muss.

Zusätzliches Geld wird nun wohl auch die Suche nach einem neuen Geschäftsführer kosten. Das habe jetzt aber nicht oberste Priorität, sagt Hildegard Hasler. Dazu kommt, dass auch der langjährige Chefredaktor Martin Frommelt – einer der schärfsten Kritiker von Martin Matter – den Sender nun ebenfalls endgültig verlässt. Gleichzeitig wurde eine Verjüngung angekündigt. Es wird also auch ins Personal investiert werden müssen: «Journalistisch sind wir gut aufgestellt, aber nicht optimal», so Hasler.

(ds)

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