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In Zeiten von «alternativen Fakten» und «Fake News» dient die öffentliche Statistik vielen als Anker und Orientierung, beobachtet Andrea Scheller, Leiterin des Amts für Statistik. (Foto: Michael Zanghellini)
Vermischtes
Liechtenstein|29.08.2018

Andrea Scheller: «Nur schon der Ver­dacht auf Mani­pu­la­tion schadet der Glaubwürdigkeit»

VADUZ - Andrea Scheller leitet seit 2017 das Amt für Statistik. Während sie über Kritik an ihrer Herkunft hinwegsehen kann, schreitet sie sofort ein, wenn Zweifel an der Unabhängigkeit des Amtes aufkommen.

In Zeiten von «alternativen Fakten» und «Fake News» dient die öffentliche Statistik vielen als Anker und Orientierung, beobachtet Andrea Scheller, Leiterin des Amts für Statistik. (Foto: Michael Zanghellini)

VADUZ - Andrea Scheller leitet seit 2017 das Amt für Statistik. Während sie über Kritik an ihrer Herkunft hinwegsehen kann, schreitet sie sofort ein, wenn Zweifel an der Unabhängigkeit des Amtes aufkommen.

«Volksblatt»: Bei Ihrer Bestellung als Amtsleiterin gab es Kritik im Landtag, weil Sie keine Liechtensteinerin sind und zudem extern zum Amt gestossen sind. Nicht gerade ein herzlicher Empfang – wie erleben Sie Liechtenstein heute?

Andrea Scheller: Mir gegenüber hat das niemand erwähnt. Ich wurde eher indirekt damit konfrontiert, wenn mich jemand gefragt hat, ob diese Diskussion unangenehm für mich war. Aber es ging ja nicht gegen meine Person, sondern um Merkmale von mir – dass ich Ausländerin bin und nicht schon im Amt arbeitete. Ich habe das also nicht persönlich genommen. Bei meinem Amtsantritt bin ich aber freundlich empfangen worden und fühle mich akzeptiert. In Liechtenstein schätze ich die kurzen Wege, ausserdem arbeitet die Verwaltung sehr effizient.

Für viele wäre Statistik wohl ein sehr trockenes Gebiet – Sie beschäftigten sich damit schon seit Jahren in verschiedensten Funktionen bei der EFTA oder Eurostat. Was gefällt Ihnen daran?

Hätte man mich als Kind nach meinem Berufswunsch gefragt, wäre es sicher nicht Statistikerin gewesen. Ich habe Geografie studiert, weil ich einen Überblick über Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft und dergleichen behalten wollte, ohne mich in einem Gebiet zu vertiefen. In die Statistik gelangte ich dann, als es um die Erstellung eines Indikatorensystems für nachhaltige Entwicklung ging. Als Statistikerin wurde ich mir dann auch der grossen Bedeutung von Zahlen bewusst: Statistiken sind im politischen und gesellschaftlichen Diskurs sehr wichtig. Man hat daher eine grosse Verantwortung bei deren Erstellung. Statistik tönt zunächst sehr langweilig und standardisiert. Aber es steckt sehr viel konzeptionelle Arbeit dahinter. Am Schluss steht zwar eine Zahl, aber vorher braucht es viel Denkarbeit aus verschiedenen Disziplinen. In verschiedenen internationalen Gremien der Uno, OECD oder dem EWR diskutieren die Ländervertreter intensiv, was beispielsweise eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung beinhalten soll und wie sie berechnet werden muss, damit diese international vergleichbar ist. Für Liechtenstein ist natürlich der EWR sehr wichtig, dort treffen wir uns auch regelmäs-sig auf verschiedenen Ebenen.

Als EWR-Mitglied ist Liechtenstein zur Erfassung bestimmter statistischen Daten verpflichtet – ist das eher Fluch oder Segen?

Beides. Für mich überwiegt jedoch der Segen. Die meisten Statistiken, die wir für den EWR erheben, sind auch von nationalem Interesse. Dass wir diese nach internationalen Standards erstellen, hat den Vorteil, dass die Statistik mit anderen Ländern vergleichbar ist. Der Aufwand ist natürlich relativ gross und die Datenlieferungen an die europäische Statistikbehörde Eurostat haben zugenommen. In der EU ist die Statistik sehr reglementiert, wir müssen die vielen Verordnungen genau studieren, bevor sie in das EWR-Abkommen übernommen werden. Manche Daten kann Liechtenstein einfach nicht liefern, weil das Land zu klein ist für regelmässige Stichprobenerhebungen – für diese Ausnahmen müssen wir dann gut argumentieren. Ansonsten müssten wir Bevölkerung und Unternehmen dauernd Fragebögen ausfüllen lassen, womit wir uns wohl nicht sehr beliebt machen würden.

«Manche Daten kann Liechtenstein einfach nicht liefern, weil das Land zu klein ist für regelmässige Stichprobenerhebungen. Ansonsten müssten wir Bevölkerung und Unternehmen dauernd Fragebögen ausfüllen lassen, womit wir uns wohl nicht sehr beliebt machen würden.»

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