(Symbolfoto: SSI)
Wirtschaft
Liechtenstein|10.08.2018

Nummernmitnahme: Letzte Bastion der Grossen bröckelt

VADUZ - Für viele Kunden wird ein alter Wunsch wahr: Sie können bald ihre Telefonnummer bei einem Anbieterwechsel behalten. Die Anbieter argumentieren unterschiedlich: Die Kleinen eher reagieren erfreut, die Grossen dagegen nicht.

(Symbolfoto: SSI)

VADUZ - Für viele Kunden wird ein alter Wunsch wahr: Sie können bald ihre Telefonnummer bei einem Anbieterwechsel behalten. Die Anbieter argumentieren unterschiedlich: Die Kleinen eher reagieren erfreut, die Grossen dagegen nicht.

Es ist dieser eine Satz aus dem Entscheid des Amtes für Kommunikation, der das Potenzial hat, viel zu verändern: «Die Rufnummernmitnahme ist deshalb von allen Betreibern in Liechtenstein umgehend entsprechend dem untenstehenden Zeitplan verfügbar zu machen!» Damit hat das Amt für Kommunikation eine wegweisende Entscheidung getroffen.

Künftig müssen die Betreiber den Anbieterwechsel unter Beibehaltung der Rufnummer ermöglichen. Diese Verpflichtung gilt für den Bereich Festnetz ab 1. Januar 2019 und für den Bereich nationale Mobilfunkdienste inkl. Sprachbox ab 1. April 2019.

Nicht ob, sondern wann ist die Frage

Neben vermehrten Anfragen, führt das Amt weiter ins Feld, dass durch die bisher fehlende Nummernportabilität insbesondere im Bereich Mobilfunk ein Wettbewerbsnachteil gegenüber der Schweiz besteht. Zudem erwartet das Amt durch die Einführung starke Wettbewerbsimpulse für den Liechtensteinischen Telekommunikationsmarkt. Diese Impulse dürften in der Konsequenz einiges durcheinander wirbeln, wie sich bereits in den Stellungnahmen verschiedener Anbieter an das Amt für Kommunikation wiederspiegelt. So behauptet beispielsweise die Swisscom, dass sie bis anhin «keine Kundenfragen zur Portierung von Mobilfunknummern» erhalten habe. Zusammenfassend spricht sich die Swisscom dafür aus, dass «mindestens im Mobilfunkbereich nicht umgesetzt werden sollte». Ein Schelm, wer nun Böses dabei denkt – schliesslich ist die Swisscom in Liechtenstein vor allem in jenem Mobilfunkbereich aktiv und dürfte kein Interesse haben, dass Kunden die «Swisscom-Nummer» bei einem Wechsel mitnehmen. Zumindest in diesem Punkt dürfte man aber bei der Swisscom aufatmen, denn eine Portierung zwischen Liechtensteiner und Schweizer oder anderen ausländischen Rufnummern ist mit dem Entscheid des Amtes für Kommunikation grundsätzlich ausgeschlossen. Auch eine dienstübergreifende Rufnummernmitnahme, also Festnetz-Mobil oder umgekehrt, ist nicht vorgesehen. Prekärer dürfte sich die Wettbewerbssituation für die Telecom Liechtenstein darstellen, die ohnehin schon unter grossem Druck im Bereich Telefonie und Internet steht und wohl auch im Bereich Fernsehen, künftig ausländische Konkurrenz bekommen dürfte. Sie hält in ihrer Stellungnahme fest, dass sie für die Nummernportabilität keine Notwendigkeit im kleinen liechtensteinischen Mobilfunkmarkt sieht. Nachfragen seien sehr selten und obendrein wäre die Umsetzung kosten- und zeitintensiv. Die Salt (Liechtenstein) AG hingegen scheint diese Sorgen nicht zu haben – hier steht man dem Thema «grundsätzlich positiv» gegenüber. Bei den vergleichsweise kleineren Dienstanbietern ist der Ruf nach einer raschen Einführung der Nummernportabilität aber unüberhörbar. «Aus heutiger Sicht und Strand der Technik ein Muss», «der Wettbewerbsnachteil potenzieller neuer Anbieter gegenüber FL1 ist aktuell schlicht zu gross», «Mehrwert für die Provider und vor allem für die Endkunden», sind nur einige der zahlreichen Kommentare. Die Hermann Quaderer Autoelektrik AG schreibt, dass sich die Frage, ob diese Funktionalität in Liechtenstein möglich sein soll oder nicht, gar nicht stelle. «Die einzige Frage kann nur lauten, wann diese Funktionalität endlich eingeführt wird.»

Amt setzt auf mehr Wettbewerb

Diesen Standpunkt vertritt offensichtlich das Amt für Kommunikation. Dieses sieht nach der Auswertung der Stellungnahmen keinen Grund, der eine Ausnahme von der gesetzlichen Verpflichtung, die Nummernportabilität sicherzustellen, rechtfertigt. Wie das Amt argumentiert, stelle die Grössenverträglichkeit von Massnahmen in Liechtenstein oftmals eine Herausforderung dar. Im gegebenen Fall geht es jedoch davon aus, dass die Nummernportabilität mit vertretbarem und verträglichem Aufwand eingeführt und betrieben werden kann.

Anbieter müssen mitwirken

Zum Einen deshalb, weil die Rufnummernmitnahme in Europa bereits weit verbreitet ist und sämtliche in Liechtenstein tätige Betreiber aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeiten im Schweizer Markt über fundierte Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Rufnummernportabilität verfügen, die sie befähigen, die notwendigen Voraussetzungen, Abläufe und Prozesse effizient und kostengünstig zu schaffen. «Zum Anderen deshalb, weil sich so gut wie alle Teilnehmer der Vernehmlassung, die derzeit nicht selbst Rufnummernbereiche verwalten und sämtliche Prozesse neu einführen müssen, trotz der grundsätzlichen Verfügbarkeit eines Vorleistungsangebots für die Einführung der Nummernportabilität aussprechen», schreibt das Amt. Die Umsetzung des Entscheides soll nun in einer Arbeitsgruppe erörtert werden, die sich am 6. September erstmals treffen soll. Die Betreiber, denen aktuell Rufnummern zugeteilt sind, sowie jene Betreiber, die die Einführung der Rufnummernportierung fordern, sind dabei verpflichtet teilzunehmen.

(hf)

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