Simon Tribelhorn, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbandes. (Archivfoto: MZ)
Sommergespräch
Liechtenstein|09.08.2018 (Aktualisiert am 27.08.18 22:52)

«Die Finanzindustrie wird in den nächsten Jahren von zwei Trends erheblich beeinflusst»

VADUZ - Der Finanzplatz hat in den vergangenen Jahren viel erlebt. Doch neue Herausforderungen haben längst begonnen. Die Digitalisierung und nachhaltige Anlagen werden die grossen Themen der kommenden Jahre, meint Simon Tribelhorn, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbandes.

Simon Tribelhorn, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbandes. (Archivfoto: MZ)

VADUZ - Der Finanzplatz hat in den vergangenen Jahren viel erlebt. Doch neue Herausforderungen haben längst begonnen. Die Digitalisierung und nachhaltige Anlagen werden die grossen Themen der kommenden Jahre, meint Simon Tribelhorn, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbandes.

«Volksblatt»: Herr Tribelhorn, man hat gelegentlich den Eindruck, dass das Land und damit auch der Finanzplatz derzeit auf der Blockchain-Welle reitet. Wie steht eigentlich der Bankenverband zu der Entwicklung der Blockchain-Technologie?

Simon Tribelhorn: Wir befinden uns mitten in einem weitreichenden Digitalisierungsprozess, der die traditionelle Wertschöpfungskette aufbricht und die gewohnten Geschäftsmodelle grundlegend verändert. Das ist natürlich eine Herausforderung. Gleichzeitig birgt die Digitalisierung aber auch ein grosses Zukunftspotenzial. Bestehende Geschäftsmodelle können durch Einbindung von innovativen und vor allem auch nachhaltigen Lösungen aus dem Fintech-Bereich im Interesse der Kunden weiterentwickelt werden. Ich bin sicher, dass die Chancen eindeutig überwiegen. Alle hiesigen Banken beschäftigen sich intensiv mit der Digitalisierung und vereinzelte investieren bereits viel in diesen Bereich. Im Front­end – also bei den Kunden – werden durch die Digitalisierung bessere, massgeschneiderte Dienstleistungen angeboten. Zusätzlich können die Banken im Backend – also der Verarbeitung – ihre Prozesse weiter optimieren und effizienter ausrichten. Die Blockchain-Technologie ist dabei besonders interessant und vielversprechend. Wir stehen hier erst am Anfang. Wir begrüssen übrigens die Initiative der liechtensteinischen Regierung. Mit dem angekündigten Blockchain-Gesetz sind wir Vorreiter und schaffen als eines der ersten Ländern in diesem wichtigen Zukunftsfeld Rechtssicherheit.

"Mit dem Blockchain-Gesetz entspricht die Regierung damit einem grossen Bedürfnis seitens des Marktes."

Simon Tribelhorn, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbandes

Würden Sie sagen, dass es dem traditionellen liechtensteinischen Innovationsgeist entspricht, so frühzeitig auf eine derartige Technologie zu setzen?

Aufgrund der enormen Regulierungswelle in den vergangenen Jahren in fast allen Bereichen setzt sich die Finanzindustrie entschieden für weniger Regulierung ein. Bei der noch jungen Blockchain- und Token-Ökonomie ist es aber gerade umgekehrt. Sie ist noch komplett unreguliert, was unter anderem zu einer grossen Rechtsunsicherheit führt. Es ist nämlich nicht klar, welche Spielregeln und Aufsichtsstandards zur Anwendung kommen sollen bzw. müssen. Für eine gewisse Planungssicherheit bedarf es aber solcher Regeln. Aus diesem Grund drängt der Markt auf eine gewisse Regulierung. Viele Regulatoren können mit der schnellen Entwicklung derzeit gar nicht Schritt halten und tun sich entsprechend schwer. Mit dem Blockchain-Gesetz entspricht die Regierung damit einem grossen Bedürfnis seitens des Marktes. Entsprechend positiv sind auch die ersten Reaktionen ausgefallen.

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