Prinzipiell sei die Medienvielfalt viel grösser als noch vor 20 Jahren, meint Wilfried Marxer vom Liechtenstein-Institut. Aus dieser Sicht könnte man bisher nicht von Mediensterben reden. (Fotos: Michael Zanghellini)
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Liechtenstein|09.08.2018

Marxer: "Es gibt in Liechtenstein überall Interessen, die man nicht tangieren sollte"

BENDERN - Wilfried Marxer, Forschungsleiter Politik am Liechtenstein-Institut, beobachtet die Medienlandschaft Liechtensteins seit Langem. Mit dem "Volksblatt" sprach er im am Donnerstag erscheinenden Staatsfeiertagsmagazin über Um­brüche, staatliche Förderungen und inwiefern die Medien ihrer Rolle als vierte Gewalt in einem Staat nachkommen, in dem der Vater, Nachbar oder ehemalige Schulkollege durchaus auch ein ranghoher Politiker oder einflussreicher Unternehmer sein kann. 

Prinzipiell sei die Medienvielfalt viel grösser als noch vor 20 Jahren, meint Wilfried Marxer vom Liechtenstein-Institut. Aus dieser Sicht könnte man bisher nicht von Mediensterben reden. (Fotos: Michael Zanghellini)

BENDERN - Wilfried Marxer, Forschungsleiter Politik am Liechtenstein-Institut, beobachtet die Medienlandschaft Liechtensteins seit Langem. Mit dem "Volksblatt" sprach er im am Donnerstag erscheinenden Staatsfeiertagsmagazin über Um­brüche, staatliche Förderungen und inwiefern die Medien ihrer Rolle als vierte Gewalt in einem Staat nachkommen, in dem der Vater, Nachbar oder ehemalige Schulkollege durchaus auch ein ranghoher Politiker oder einflussreicher Unternehmer sein kann. 

"Volksblatt": Totgesagte leben länger: Das "Volksblatt" feiert 2018 seinen 140. Geburtstag, das "Vaterland" hat ebenfalls schon über 100 Jahre auf dem Buckel. Warum blieb Liechtenstein vom Zeitungssterben, das rund um Liechtenstein bittere Realität ist, bisher verschont?

Wilfried Marxer: Zum einen sind die Zeitungen immer noch die Leitmedien in Liechtenstein, während in anderen Ländern teilweise das Fernsehen die Informationsfunktion übernommen hat. Das reicht von der Politik- bis zur Kultur- und Sportberichterstattung, in keinem anderem Medium bekommt man die gleiche Informationsfülle wie bei den beiden Tageszeitungen. Weil es die Konkurrenz durch das Fernsehen oder eine lange Tradition von Radiostationen hierzulande nicht gibt, erreichen die Zeitungen mit 8000 bis 10000 Abonnenten doch noch einen grossen Teil der Bevölkerung. Das lange Bestehen der Zeitungen hängt sicher auch mit der Eigenstaatlichkeit zusammen. Die liechtensteinischen Medien beziehen sich wesentlich auf den Staat Liechtenstein, was ihnen auch eine gewisse Legitimation gibt. Die liechtensteinischen Zeitungen werden dadurch auch nicht zum Übernahmekandidat wie in der Schweiz oder in Österreich, wo Lokalblätter von grösseren Medienkonzernen aufgesogen werden. Ein weiterer Faktor ist sicher auch die politische Bindung. Die Blätter sind stark politisch orientiert und die Liechtensteiner weisen doch noch eine relativ starke Parteibindung auf und sind politikinteressiert.

Die Parteibindung nimmt jedoch langsam ab. Immer wieder kommt der Wunsch nach einer statt zwei Zeitungen auf, die dafür parteiunabhängig sein soll. Wird es also über kurz oder lang nur noch eine Zeitung geben?

Die politische Ausrichtung bringt den Zeitungen den Vorteil, dass viele Menschen das Gefühl haben, man muss eigentlich beide abonnieren, um sich ein ausgewogenes Bild zu verschaffen. Klar kann es sein, dass in naher oder ferner Zukunft nur noch eine Zeitung erscheint oder gar keine mehr. Das sollte aber nicht von Staat und Politik entschieden und forciert werden. Ich sehe drei mögliche Szenarien: Eine Zeitung verschwindet und die andere existiert weiter, beide Zeitungen fusionieren oder beide Zeitungen verschwinden und es entsteht etwas völlig Neues. Fällt eine Zeitung weg, würde allerdings eine Konkurrenz wegfallen, die ja auch belebt. Dadurch besteht die Gefahr, dass eine gewisse Bequemlichkeit eintritt und die verbleibende Zeitung etwas "einschläft". Das wäre schade, und die Frage wäre, ob das den Gewinn aufheben würde, dass es dafür keine Parteizeitungen mehr gibt. Zudem müsste das verbleibende Monopolmedium mit entsprechenden Ressourcen ausgestattet sein.

"Prinzipiell ist die Medienvielfalt viel grösser als noch vor 20 Jahren – von Mediensterben könnte man aus dieser Sicht bisher nicht reden."

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