Auch Vorarlberg habe zunächst an einer Vision gearbeitet, bevor es einen Masterplan mit konkreten Massnahmen entwickeln konnte, illustriert Freddy Kaiser, Vorsteher von Mauren, (rechts), an einem Beispiel. Gemeinsam mit Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch (links) ist er Vertreter des «Entwicklungskonzepts Liechtensteiner Unterland und Schaan».  (Foto: Paul Trummer)
Sommergespräch
Liechtenstein|28.07.2018 (Aktualisiert am 30.07.18 13:36)

Risch: «Es wäre schön, die Lösungen heute schon auf dem Tisch zu haben»

VADUZ - Im Rahmen der «Vision 2050» arbeiten das Land und sechs Gemeinden zusammen, um Antworten auf das Verkehrsproblem im Unterland zu finden. Das «Volksblatt» hat bei Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch und Maurens Vorsteher Freddy Kaiser als Vertreter der Plattform «Entwicklungskonzept Liechtensteiner Unterland und Schaan» nachgehakt, wann man diesbezüglich mit konkreten Massnahmen rechnen darf.

Auch Vorarlberg habe zunächst an einer Vision gearbeitet, bevor es einen Masterplan mit konkreten Massnahmen entwickeln konnte, illustriert Freddy Kaiser, Vorsteher von Mauren, (rechts), an einem Beispiel. Gemeinsam mit Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch (links) ist er Vertreter des «Entwicklungskonzepts Liechtensteiner Unterland und Schaan».  (Foto: Paul Trummer)

VADUZ - Im Rahmen der «Vision 2050» arbeiten das Land und sechs Gemeinden zusammen, um Antworten auf das Verkehrsproblem im Unterland zu finden. Das «Volksblatt» hat bei Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch und Maurens Vorsteher Freddy Kaiser als Vertreter der Plattform «Entwicklungskonzept Liechtensteiner Unterland und Schaan» nachgehakt, wann man diesbezüglich mit konkreten Massnahmen rechnen darf.

«Ich finde nicht, dass Kritik laut wurde. Es ist klar, dass die Meinungen bei einer
Vision auseinandergehen.»

Freddy Kaiser

«Volksblatt»: Ende Juni haben Sie die Vision 2050 präsentiert. Schnell wurden Kritik laut, es sei nicht viel Neues in der Vision. Was ist denn aus Ihrer Sicht nun neu?

Freddy Kaiser: Ich finde nicht, dass Kritik laut wurde. Die Veranstaltung im Eschner Gemeindesaal war trotz eines schönen Sommerabends sehr gut besucht, sowohl von Gemeinderäten als auch der Bevölkerung. Es ist klar, dass die Meinungen bei einer Vision auseinander gehen und es auch Kritik gibt – aber die war konstruktiv. Wir haben die Kritik aufgenommen und werden diese auch einfliessen lassen. Dass es eine Weile ging, liegt daran, dass man die Anliegen aller Gemeinden aufnehmen und auf eine Karte bringen musste und prüfen, ob das auch alles möglich ist.

Daniel Risch: Der Abend stand unter dem Motto «Diskutiersch o met?». Insofern war es das Ziel, dass man sich mit der Vision 2050 auseinandersetzt und auch Kritik einbringt. Die Resultate der anonymen Abstimmungen waren für uns sehr erfreulich: einerseits wollten wir wissen, ob wir mit der Plattform Entwicklungskonzept Unterland und Schaan auf dem richtigen Weg sind. Mit einem Durchschnitt von über 9 von 10 Punkten hat sich gezeigt, dass dem so ist. Mit 7,4 von 10 Punkten kam die «Vision 2050» auch inhaltlich gut an. Die Anwesenden haben im Workshopteil intensiv diskutiert und die «Vision 2050» sowie die Zielbilder positiv aufgenommen. Es ist uns ein grosses Anliegen, alle Stimmen zu hören und die Bevölkerung auf diesem Weg mitzunehmen. Wenn beispielsweise der VCL nun schreibt, dass man die S-Bahn habe ins Konzept reklamieren müssen, ist das nicht korrekt. Solche Seitenhiebe sind für den Prozess unnötig, und wir werden im Herbst eine separate Runde mit verschiedenen NGOs durchführen.

Aber was ist denn nun neu an der «Vision 2050»?

Risch: Neu ist sicher der Ansatz, dass das Land und die Unterländer Gemeinden mit Schaan übergreifend an der Raum-, Siedlungs- und Mobilitätsplanung arbeiten und sich gemeinsam auf den Weg gemacht haben. Dass wir sagen, nicht jeder für sich hat ein Problem, sondern wir haben gemeinsame Herausforderungen, die wir zusammen lösen möchten.

Kaiser: Das nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, sondern das Land und sechs Gemeinden gemeinsam an der «Vision 2050» arbeiten, ist ein Punkt. Neu ist aber auch, dass man das Problem raumplanerisch angeht und man die Anknüpfungspunkte Mobilität, Siedlungen, Natur und Landschaft gemeinsam betrachtet.

Hätte man nicht bereits früher verstärkt zusammenarbeiten sollen?

Kaiser: Vor allem im Unterland arbeiten wir gemeindeübergreifend bereits sehr gut zusammen, wie verschiedenste Projekte zeigen. Aber in diesem Rahmen, mit den verschiedenen Anknüpfungspunkten, ist das schon das erste Mal in der Art.

Risch: Natürlich wäre früher immer besser. Es wäre schön, die Lösungen heute schon auf dem Tisch liegen zu haben. Das ist aber nicht so, und deshalb ist es wichtig, dass wir nun auf dem Weg weitergehen, auf den wir uns begeben haben. Für uns war es sehr wichtig, die Gemeinderäte und Bevölkerung zu informieren und mit einzubinden. Im Herbst haben wir zudem noch Termine mit den Nichtregierungsorganisationen (NGO). Wir möchten auch deren Inputs abholen, weil die «Vision 2050» breit getragen werden soll.

Sollte aus diesem Gesichtspunkt nicht auch das restliche Oberland an Bord geholt werden?

Risch: Auf dieses Thema wurden wir mehrfach angesprochen und es war auch schon Thema, als möglichen weiteren Schritt auf die Gemeinde Vaduz zuzugehen. Andererseits bringen wir als Regierung natürlich die Sicht des ganzen Landes und somit auch die Anliegen der übrigen Gemeinden mit ein. In der «Vision 2050» fokussieren wir uns derzeit darauf, wo die diesbezüglich grössten übergreifenden Probleme liegen – und das ist im Unterland. Das weitere lassen wir in anderen Programmen und Projekten – sei es im Agglomerationsprogramm Werdenberg-Liechtenstein oder dem Mobilitätskonzept 2030 – die anderen Gemeinden und auch die Region nicht ausser Acht.

Kaiser: Die Zusammenarbeit mit allen Gemeinden gibt es ja wie erwähnt schon im Agglomerationsprogramm Werdenberg-Liechtenstein, das in eine weitere Phase ging und aus dem auch schon Projekte umgesetzt werden. Jetzt konzentrieren wir uns auf die Unterländer Probleme. Schaan ist dabei, da es ans Unterland einige Anknüpfungspunkte gibt.

(Foto: Paul Trum­mer)

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