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Prinz Michael konnte gestern einmal mehr zahlreiche Gäste aus Nah und Fern begrüssen. (Foto: Michael Zanghellini)
Wirtschaft
Liechtenstein|26.05.2018

Karl Marx: Zwischen Mythos und Realität

VADUZ - Die 14. Gottfried von Haberler Konferenz stand gestern in der Universität im Zentrum des 200. Geburtstages von Karl Marx. Über 140 geladene Gäste hörten sechs international führenden Professoren und Experten gespannt zu.

Prinz Michael konnte gestern einmal mehr zahlreiche Gäste aus Nah und Fern begrüssen. (Foto: Michael Zanghellini)

VADUZ - Die 14. Gottfried von Haberler Konferenz stand gestern in der Universität im Zentrum des 200. Geburtstages von Karl Marx. Über 140 geladene Gäste hörten sechs international führenden Professoren und Experten gespannt zu.

«Die marxistische Lehre, insbesondere die Illusion der Gleichheit wurde im ‹real existierenden Sozialismus› umgesetzt. Gleichheit, auch gemäss Marx selbst, kann nicht in Freiheit, sondern nur in der Tyrannei erzielt werden», sagte Prinz Michael von und zu Liechtenstein, Präsident der ECAEF und Gastgeber der Konferenz. «Das Resultat des Marxismus waren Millionen von staatlich verordneten Morden weltweit, insbesondere in der Sowjetunion und in China, der Mord an einem hohen Anteil der Bevölkerung von Kambodscha sowie Tötungen und Unfreiheit in einem grossen Teil der Welt. Es ist schwer verständlich, dass der Geist von Marx zwar unter anderen Bezeichnungen heute noch immer weiterlebt.» Die Internationale Gottfried von Haberler Konferenz wird alljährlich von der European Center of Austrian Economics Foundation (ECAEF) ausgerichtet und fand in diesem Jahr bereits das 14. Mal in Folge statt.

Unterdrückung und Ausbeutung

Pedro Schwartz eröffnete mit seinem Referat die Tagung und legte dabei die drei wesentlichen Elemente der Verführungen des Kommunistischen Manifests von Karl Marx und Friedrich Engels dar. Nicht nur beschworen Marx und Engels mit kraftvoller Rhetorik die Wissenschaftlichkeit ihrer Argumente. Sie riefen ebenso in moralischer Entrüstung zum bewaffneten Klassenkampf auf. Marx und Engels scheiterten mit ihren Vorhersagen der Verelendung der Arbeiterklasse und des unvermeidlichen Zerfalls des Kapitalismus. Wie Schwartz ausführte, lag der Fehler unter anderem in Marx Annahme, dass der Kapitalismus auf der primitiven Akkumulation des durch Ausbeutung gewonnenen Werten beruhe. Marxismus und Sozialismus seien im Wesentlichen eine ldeologie des Neides und der Unterdrückung individueller Freiheit. Der deutsche Philosoph Hardy Bouillon entzauberte in seinem Vortrag die beiden Mythen um Karl Marx. Zum einen werde behauptet, dass die wahre Freiheit nur durch den Sozialismus respektive den Kommunismus errungen werde. Dies lasse sich leicht entzaubern, weil Marx die Freiheit einfach so definierte, dass sie dem Sozialismus genügt. Der zweite Mythos sei laut Bouillon schwerer zu entlarven. Er sei in der unkritischen Reflexion von Marxens These begründet, die kapitalistische Produktionsweise sei ausbeuterisch und ein Verstoss gegen die kommutative Gerechtigkeit, weil diese eine Verletzung von Freiheit und Eigentum des Arbeiters impliziere. Genauso wie Karl Marx der kapitalistischen Produktionsweise einen Verstoss gegen die kommutative Gerechtigkeit unterstellt, erschwere auch die Phrase der sozialen Gerechtigkeit in der politischen Alltagssprache das Verständnis von Ausbeutung und die Entzauberung des zweiten Mythos.

Liberalismus und Sozialismus

Der Wirtschaftswissenschaftler Michael Wohlgemuth zeigte in seinem Referat die methodologischen Grundunterschiede der Vertreter der Österreichischen Schule zur gegenwärtigen Lehre an den meisten Universitäten auf. Wohlgemuth vertrat im Wesentlichen die These, dass die dominierende Wohlfahrtsökonomie kaum je die institutionellen Bedingungen spontaner Ordnungen und erfolgreicher Marktwirtschaften beschreibe, sondern bestenfalls den Bauplan der Nirwana-Vision eines modernen Sozialismus mit gegebenen Präferenzen, gegebenem Wissen und sozialen Transformationskurven liefere. Der deutsche Wirtschafts- und Gesellschaftsphilosoph Philipp Batthyány konzentrierte sich in seinem Referat auf die Auseinandersetzung zwischen Liberalismus und Sozialismus. Diese sei eine Diskussion zwischen These und Antithese, zu der es keine Synthese im dialektischen Sinn nach Marx gibt, sondern nur die Möglichkeit einer klaren Grundsatzentscheidung zwischen einem von beiden. Nach Batthyány sind in unserem Menschen- und Gesellschaftsbild, aber auch in unserem Rechts- und Staatsverständnis Liberalismus und Sozialismus unvereinbar. Ein praktisches Beispiel der verheerenden Auswirkungen angewandter kommunistischer ldeologie zeigte der Peruaner Enrique Ghersi. Der Politikwissenschaftler beschrieb den blutigen und sinnlosen Bürgerkrieg, den die PCP-SP (Shining Path) gegen den Willen der Mehrheit der peruanischen Gesellschaft unter Abimael Guzman Reynoso gegen den peruanischen Staat führte. Den Abschluss der Gottfried von Haberler Konferenz machte der mehrfach ausgezeichnete Professor für Europäische Studien an der Universität Oxford, Timothy Garton Ash, der seinen Blick auf das Mitteleuropa unserer Zeit warf, in dem aktuell eine dramatische Reaktion auf fast 30 Jahre Transformation, Liberalisierung, Europäisierung und Globalisierung zu beobachten sei.

(pd/hf)

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