Elektroautos sieht man in Liechtenstein immer häufiger. (Foto: Shutterstock)
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Liechtenstein|16.05.2018

"Wünsche mir eine Infrastruktur, die transparenter für alle wird"

SCHAAN - Elektroautofahrer aufgepasst: Nicht an jeder Stromtankstelle in Liechtenstein kostet eine Aufladung gleich viel. Als «chaotisch» beurteilt Wolfgang Jenne die Infrastruktur in Liechtenstein und ganz Europa.

Elektroautos sieht man in Liechtenstein immer häufiger. (Foto: Shutterstock)

SCHAAN - Elektroautofahrer aufgepasst: Nicht an jeder Stromtankstelle in Liechtenstein kostet eine Aufladung gleich viel. Als «chaotisch» beurteilt Wolfgang Jenne die Infrastruktur in Liechtenstein und ganz Europa.

Im Jahr 2017 wurden laut der Fahrzeugstatistik der liechtensteinischen Motorfahrzeugkontrolle insgesamt etwas mehr Fahrzeuge zugelassen als im Jahr zuvor. In Zahlen bedeutet dies: Vergangenes Jahr wurden 2796 neue Fahrzeuge zugelassen. Die Liechtensteiner scheinen auch zunehmend auf die Umweltverträglichkeit zu achten, wie sich bei den Antriebsarten zeigt. Waren es im Jahr 2016 noch 46 Elektroautos, 62 Benzin-/Elektro- sowie ein Diesel-/Elektro-Hybrid, waren Ende 2017 schon 57 Elektroautos, 84 Benzin-/Elektro- und drei Diesel-/Elektro-Hybriden bei der Motorfahrzeugkontrolle gemeldet. Wolfgang Jenne aus Triesenberg, der schon seit Jahren mit seinem Elektroauto unterwegs ist, freut sich über diese Entwicklung: «Elektromobilität ist etwas relativ neues und aktuelles. Umso mehr Menschen sich dafür interessieren, umso weiter können Elektroautos und Elektromobilität nach vorne gebracht werden.» Zunehmende Zahlen bei den Elektroautos führen auch zu einem notwendigen Ausbau der Ladestationen in Liechtenstein. Die Liechtensteinischen Kraftwerke (LKW) und sonstige Anbieter bauen fleissig eine E-Tankstelle nach der anderen, um das Aufladen der Elektroautos zu gewährleisten.

«Ich lade mein Elektroauto meist über Nacht. Dort ist der Strom billiger und wird nach kWh abgerechnet.»

Wolfgang Jenne, Elektroautofahrer

Abrechnungsarten variieren

Pro 100 Kilometer braucht ein Elektroauto im Durchschnitt etwa 20 kWh. Manche Autos brauchen länger, um die Batterie ganz aufzuladen, weil diese weniger leistungsstark ist. «Darum ist die Abrechnung nach Zeit nicht gerechtfertigt, da solche, die für die gleiche Menge Strom eine längere Zeitdauer brauchen, somit teurer kommen», erklärt Jenne. Die Dokumentation, die Jenne selbstständig durchgeführt hat, zeigt dies auf. «Für die Ladestationen in der näheren Umgebung, habe ich die Preise herausgesucht und dokumen­-tiert wie viel ich für 20 kWh bezahle», so Jenne. (Anmerkung: 20 kWh werden maximal für circa 100 Kilometer benötigt.) Vergleicht man beispielsweise die Preise an der Ladestation in der Marktgarage in Vaduz, kann so mancher stutzig werden. Beim Stromanbieter New Motion und einer Ladeleistung von 22 kW bezahlt ein Elektroautofahrer 28,15 Franken für 100 Kilometer, bei einer Ladeleistung von 11 kW kommt man schon auf 56,29 Franken. Abgerechnet wird über die geladene Zeit. Bei der gleichen Stromtankstelle bezahlt man bei einem anderen Anbieter (Maingau) für die gleiche Ladedauer 3,27 Franken bzw. 6,55 Franken. Es ist also klar, die Preise machen die verschiedenen Anbieter, die Ladesäule ist nur der Verteiler.
Wäre es nicht sinnvoll eine eigene Ladekarte der LKW für die Elektroautofahrer Liechtensteins herauszugeben? «Eine eigene Ladekarte der LKW wäre nicht zielführend, da eine europäische Abdeckung für diese Karte mit enormen Kosten verbunden wäre», erklärt Gerald Marxer von den LKW. Man habe sich bewusst für viele internationale Betreiber geöffnet. Der Kunde brauche lediglich einen Anbieter, einen sogenannten Electromobility Service Provider, auszuwählen und kann dann mit einer Ladekarte in ganz Europa laden, so Marxer. «Wir haben uns einer Plattform angeschlossen, die aktuell mehr als 50 000 Ladepunkte in Europa anbietet.»
Wolfgang Jenne hat für sich die passende Lösung gefunden. Er lädt sein Auto zu Hause auf. «Über Nacht, wenn der Strom sowieso billiger ist und der Strom wie gehabt nach kWh abgerechnet wird und nicht per Zeitdauer.» Er wünsche sich aber, dass eine Ladeinfrastruktur geschaffen wird, die es ermöglicht zu laden, ohne vorher stundenweise Preise zu vergleichen.

(eo)

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