Die Erstkommunikanten werden auch in diesem Jahr noch die kurze Prozession anführen, die gemeinderätlichen Himmelträger (hinten im Bild mit Baldachin) kommen in diesem Jahr jedoch nicht mehr zum Einsatz. (Foto: dq)
Vermischtes
Liechtenstein|16.05.2018 (Aktualisiert am 17.05.18 14:05)

Fronleichnam: Schaaner Pfarrer entlässt die gemeinderätlichen Himmelträger

SCHAAN - Schaans Pfarrer Florian Hasler will keine grosse Fronleichnamsprozession mehr, auch die Baldachinträger der Gemeinde hat er ausgeladen. Hintergrund ist ein Zwist um einen Hochaltar. Ausserdem will er damit ein Zeichen setzen.

Die Erstkommunikanten werden auch in diesem Jahr noch die kurze Prozession anführen, die gemeinderätlichen Himmelträger (hinten im Bild mit Baldachin) kommen in diesem Jahr jedoch nicht mehr zum Einsatz. (Foto: dq)

SCHAAN - Schaans Pfarrer Florian Hasler will keine grosse Fronleichnamsprozession mehr, auch die Baldachinträger der Gemeinde hat er ausgeladen. Hintergrund ist ein Zwist um einen Hochaltar. Ausserdem will er damit ein Zeichen setzen.

Die diesjährige Fronleichnamsprozession, am 31. Mai in Schaan, soll nicht mehr wie bis anhin von der Pfarrkirche über die St. Peterkreuzung zum Lindahof beim SAL in Schaan führen, wo bis anhin die Fronleichnamsmesse stattfand. Dieses Jahr wird es nur eine kleine Prozession rund um die Kirche und eine Messfeier in der Kirche geben. Hintergrund ist unter anderem eine Unstimmigkeit zwischen Gemeinde und Pfarrei um die Rückführung des Hochaltars in die Pfarrkirche und die Position des Tabernakels. Der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre waren anfangs der 70er Jahre, also nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, gemeinsam mit der Kanzel und der Chorscharanke aus der Kirche entfernt und in einem Depot in Triesen eingelagert worden. Vor mehr als drei Jahren hatte die Gemeinde beschlossen, den Hochaltar und die beiden Seitenaltäre restaurieren zu lassen, um das wichtige Schaaner Kulturgut zu erhalten. Allerdings sollten lediglich die beiden Seitenaltäre wieder in der Kirche aufgestellt werden, nicht aber der Hochaltar. «Nachdem die Pfarrkirche unter integralem Denkmalschutz steht, können Veränderungen im Kirchenraum nur in Absprache mit dem Denkmalschutz erfolgen», betont der Schaaner Vorsteher Daniel Hilti auf Anfrage. Zudem sei es für die Gemeinde wichtig gewesen, den Innenraum der Pfarrkirche in der Gestaltung, räumlichen Wirkung und liturgischen Funktion unverändert zu belassen. Daher hätten die Wünsche der Pfarrei nur zum Teil umgesetzt werden können. Der Pfarrer handelte trotzdem und verschob den Tabernakel, der sich normalerweise seitlich vom Altarraum befindet, in dessen Mitte. Er wurde jedoch auch hier von der Gemeinde zurückgepfiffen. Für den Schaaner Pfarrer ein grosses Ärgernis: Es sei doch unsinnig, einem Architekten bezüglich der Gestaltung des Kircheninnenraumes mehr Glauben zu schenken, als dem Pfarrer, kommentierte Florian Hasler.

Nicht nur Frage der Optik

Bei der Frage, ob ein Hochalter in der Kirche oder der Tabernakel in der Mitte des Altarraumes steht, geht es jedoch nicht nur um optische Gesichtspunkte. Denn an einem Hochalter wird meist in altem Ritus und mit dem Rücken zum Volk die Messe zelebriert. Bereits bei der Renovation des Josefskirchleins in Vaduz, hatte diese Frage für Unstimmigkeiten gesorgt. Auch dort hatte die Pfarreileitung darauf gepocht, das Kirchlein wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen und den Volksaltar zu entfernen, was eine scharfe Reaktion des Vereins für eine offene Kirche provoziert hatte und letztlich von der Gemeinde abgelehnt wurde. In einem Formusbeitrag hatte der Verein kritisiert, im Erzbistum Vaduz lasse sich in mehreren Pfarreien die Tendenz beobachten, die Liturgiereformen des Zweiten Vatikanischen Konzils rückgängig zu machen. Augenfällig sei die zunehmende Änderung der Zelebrationsrichtung: «Der Priester feiert mit dem Rücken zu den Gläubigen – teils auch in Kirchen und Kapellen, in denen ein Volksaltar steht. (…) Das Erzbistum Vaduz entfernt sich damit von der liturgischen Ordnung der Kirche und stellt sich bewusst gegen den Papst», stellte der Verein klar. Angesprochen auf diese Kritik, winkt Pfarrer Florian Hasler ab. Zwar zelebriere er teilweise die Messe in Ostrichtung – jedoch immer im neuen Ritus, was der liturgischen Ordnung der Kirche durchwegs entspreche. Ausserdem sei dies lediglich die Ausnahme und nicht die Regel. Abgesehen davon, wäre der Volksaltar trotz Hochaltar in der Pfarrkirche geblieben. Eine Entfernung des Volksaltars habe nie zur Diskussion gestanden.


Plus - Artikel

Sie erwarten 8 Absätze und 857 Worte in diesem Plus-Artikel.
(dq)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Vermischtes
Liechtenstein|vor 2 Stunden (Aktualisiert vor 2 Stunden)
LGT ehrt selbstlosen Einsatz
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2018, Alle Rechte vorbehalten.