Das Unterrichten ist anspruchsvoller geworden. Soll deshalb die Ausbildung der Kindergarten- und Primarlehrpersonen verlängert werden? (Symbolfoto: SSI)
Politik
Liechtenstein|17.03.2018 (Aktualisiert am 17.03.18 14:39)

Masterstudium: Müssen Lehrer bald länger in die Schule?

VADUZ - Die Anforderungen im Lehrerberuf sind gestiegen – dem soll mit einer besseren Ausbildung Rechnung getragen werden. Während die Rektoren der Pädagogischen Hochschulen eine Verlängerung der Ausbildung fordern, wird dies hierzulande kritisch gesehen.

Das Unterrichten ist anspruchsvoller geworden. Soll deshalb die Ausbildung der Kindergarten- und Primarlehrpersonen verlängert werden? (Symbolfoto: SSI)

VADUZ - Die Anforderungen im Lehrerberuf sind gestiegen – dem soll mit einer besseren Ausbildung Rechnung getragen werden. Während die Rektoren der Pädagogischen Hochschulen eine Verlängerung der Ausbildung fordern, wird dies hierzulande kritisch gesehen.

Soll die Lehrerausbildung von drei auf 4,5 bis 5 Jahre verlängert werden? Mit dieser Frage befassen sich derzeit die Schweizer Kantone. Wird das System in der Schweiz geändert, würde das auch Liechtenstein betreffen, schliesslich wird der Grossteil unserer Lehrpersonen in der Schweiz ausgebildet. Hinter der Forderung, auch auf Kindergarten- und Primarschulstufe einen Master und nicht nur einen Bachelorstudiengang zu verlangen, steht die Kammer der pädagogischen Hochschulen (PH) in der Schweiz. Diese Kammer hat ein Positionspapier veröffentlicht, in welchem zu den steigenden Anforderungen an die Ausbildung der Lehrpersonen in Vorschul- und Primarstufe Stellung genommen wird. Neue Fächer wie Englisch, Medien und Informatik, Kinder mit besonderen Bedürfnissen und aus verschiedenen Kulturen, Eltern mit überhöhten Erwartungen, das nur einige Punkte, die das Unterrichten komplexer machten. Viele dieser Herausforderungen gelten bereits für die Kindergartenstufe, es sei daher verfehlt zu sagen, dass dort eine weniger gute Ausbildung gerechtfertigt wäre. Abgesehen davon dauert die Lehrerausbildung in anderen OECD-Staaten länger – so gehört beispielsweise in Deutschland oder Frankreich ein Masterabschluss zum Standard in Klassenzimmern.

Längere Ausbildung – höhere Löhne

Doch diese Forderung kommt in den Kantonen nicht gut an. Zwar herrscht die Meinung vor, dass die Lehrer besser ausgebildet werden sollen, viel Kosten soll diese Massnahme aber nicht. Würde die Lehrerausbildung generell verlängert, müsste man wohl auch die Lehrerlöhne erhöhen. Kindergarten- und Primarlehrpersonen müssten demnach gleich viel verdienen, wie Lehrer der weiterführenden Schulen. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass die Kantone den Forderungen der Rektoren der Pädagogischen Hochschulen nachkommen werden. Als vollwertiges Mitglied der Erziehungsdirektoren-Konferenz der Deutschschweiz kann auch Liechtenstein diesbezüglich ein Wörtchen mitreden und auch hierzulande sieht man den Vorstoss kritisch – aber nicht nur wegen der Kosten: Für Rachel Guerra, Verantwortliche für den Bereich Pflichtschulen am Liechtensteiner Schulamt, ist nicht klar, ob den gestiegenen Anforderungen im Klassenzimmer mit einer ausschliesslichen Verlängerung der Ausbildungszeit Rechnung getragen werden könne. «Das ist aus meiner Sicht zu bezweifeln», sagt Guerra. Mehr Erfolg versprechend scheint ihr der Vorschlag der EDK, bei den angehenden Lehrpersonen eine Eignungsprüfung einzuführen. Eine solche Prüfung sei bei einigen Hochschulen bereits bestehende Praxis.

Lehrer sehen keinen Nutzen

Auch von Seiten der Lehrer regt sich bereits Widerstand gegen die Pläne der Rektoren. So wird von Seiten der Lehrerschaft befürchtet, dass die Ausbildung theorielastiger werden könnte. Der Eschner Schulleiter Daniel Ritter, sagte bereits im vergangenen August gegenüber dem «Volksblatt», dass er den Nutzen eines Masterabschlusses nicht sehe: «Meiner Meinung nach ist es nicht notwendig, für den Kindergarten- oder Primarlehrerberuf ein Masterstudium zu absolvieren. Andere Werte im Bereich der sogenannten Softskills, wie beispielsweise Empathie oder soziale Kompetenzen, sind ebenso wichtig.» Abgesehen davon ist er zufrieden mit dem Nachwuchs, den er rekrutieren kann: «Ich habe das Gefühl, dass die heutige Ausbildung praxisnäher ist, als meine damals am Lehrerseminar.» Auch Rachel Guerra lobt die Qualität der Lehrerausbildung: «Die jungen Lehrpersonen, die ich einführe, stehen gut da und sind gut für den Unterricht gerüstet.»

(dq)

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