«Es wäre ein sympatisches Zeichen gewesen, das auch unserem Image gut getan hätte», findet der Schaaner Gemeinderat und will das Geld auch ohne Triesenberg spenden. (Foto: Shutterstock)
Politik
Liechtenstein|08.02.2018 (Aktualisiert am 08.02.18 19:01)

Vertane "Lebenschance": Organisationen sind enttäuscht

VADUZ - Nicht nur die Vorsteher sind frustriert über das Nein aus Triesenberg, sondern auch die Organisationen, die das Projekt «Lebenschance» angeregt haben. Doch es gibt noch Hoffnung - Schaan will ohne Triesenberg weitermachen.

«Es wäre ein sympatisches Zeichen gewesen, das auch unserem Image gut getan hätte», findet der Schaaner Gemeinderat und will das Geld auch ohne Triesenberg spenden. (Foto: Shutterstock)

VADUZ - Nicht nur die Vorsteher sind frustriert über das Nein aus Triesenberg, sondern auch die Organisationen, die das Projekt «Lebenschance» angeregt haben. Doch es gibt noch Hoffnung - Schaan will ohne Triesenberg weitermachen.

Initiiert worden war das Projekt «Lebenschance» vom Netzwerk für Entwicklungszusammenarbeit in Liechtenstein. Das Netzwerk, das vor rund einem Jahr gegründet wurde, umfasst mehr als 30 Organisationen und Vereine. Deren gemeinsames Ziel ist es, der Entwicklungszusammenarbeit und der internationalen Solidarität in Liechtenstein ein stärkeres Gewicht zu verleihen. Das 300-Jahr-Jubiläum Liechtensteins hätte sich für Andrea Hoch, Mitglied der Koordinationsgruppe des Netzwerkes, regelrecht angeboten, um ein Zeichen der Solidarität und der Dankbarkeit zu setzen. Aus diesem Grund sei sie mit anderen Vertretern des Netzwerkes bei der Vorsteherkonferenz vorstellig geworden und habe eine Projektidee präsentiert. «Wir waren der Meinung, dass unser Vorschlag breit abgestützt ist. Schliesslich gibt es ja sehr viele Menschen in Liechtenstein, die sich sozial engagieren. Die über 30 Organisationen, die im Netzwerk zusammengefasst sind, haben ja unzählige Mitglieder im Hintergrund. Wir dachten, das könnten wir als Gewicht in die Waagschale werfen», so Hoch.

Auch den Vorstehern gefiel die Idee, anlässlich des Jubiläums einen «Anschubkredit» zu gewähren. Schliesslich wäre nicht einfach nur Geld gespendet worden, sondern das Projekt «Lebenschance» hätte langfristig bestehen bleiben sollen. In den Topf wäre also nicht nur die Million geflossen, die die Gemeinden sprechen wollten. Durch verschiedene Anlässe und Aktionen hätten weitere Spendeneinnahmen geniert werden können, die ebenfalls dem Projekt «Lebenschance» zu Gute gekommen wären. Das Geld wäre dann je hälftig über die Caritas zu Bedürftigen in Liechtenstein oder über den Liechtensteinischen Entwicklungsdienst (LED) zu ausgewählten Projekten im Ausland geflossen.

Schaan will trotzdem weitermachen

Enttäuschung herrschte aber nicht nur bei den Hilfsorganisationen, sondern auch bei den anderen Gemeinderäten. Der Gemeinderat Schaan, der am Mittwochabend, also nach dem Triesenberger Nein, über das Projekt zu befinden hatte, wollte das Projekt nicht so einfach sterben lassen. Zwar stehe ihm eine Kommentierung des Entscheids in Triesenberg nicht zu, dennoch erlaube sich der Gemeinderat einige Bemerkungen, hiess es in einem gestern verschickten Newsletter der Gemeinde. Schliesslich hätte das Projekt dem Land gut angestanden, finden die Gemeinderäte: «Man hätte anlässlich der Besinnung auf unsere Wurzeln, Herkunft und Geschichte auch einmal den Blick auf die Menschen gelenkt, die am Rand der Gesellschaft sind, Menschen, die auf Mitgefühl und finanzielle Zuwendungen angewiesen sind.» Auch dem umliegenden und weiteren Ausland, dem man ja viel verdanke, hätte man auch symbolisch etwas zurückgeben können. Die halbe Million Franken an den LED wäre nichts anderes gewesen als ein kleines Zeichen der Dankbarkeit. Es wäre ein sympathisches Zeichen gewesen, das auch unserem Image gutgetan hätte, argumentierten die Schaaner Gemeinderäte. Sie beschlossen deshalb, nicht einfach zu resignieren, sondern sich dafür stark zu machen, die Idee weiterzutragen, um zumindest etwas zum 300-Jahr Jubiläum zu machen. Der Gemeinderat genehmigte deshalb das Projekt «Lebenschance» und den dafür notwenigen Verpflichtungskredit in Höhe von knapp 160 000 Franken. Und fügte an, dass die Gemeinde Schaan dieses Geld auch dann einsetzen werde, wenn die anderen Gemeinden nicht im Boot wären.

(dq)

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