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Von links: Kurt Leube,Prinz Michael, Referent Thorsten Polleit, Preisträger Richard Mason, Preisträger Mattias Oppold, Prinz Philipp und Werner Tabarelli. (Foto: Paul Trummer
Vernon Smith Pr.
Liechtenstein|06.02.2018 (Aktualisiert am 06.02.18 13:27)

Wann wird Toleranz zum Verbrechen?

VADUZ - Fragen von Toleranz und Intoleranz widmeten sich die Essays von Mattias Oppold aus Deutschland, Marcos Falcone aus Argentinien und Richard Mason aus Grossbritannien. Alle drei konnten für ihre Ausführungen am Montag den 10. Vernon Smith Prize entgegennehmen.

Von links: Kurt Leube,Prinz Michael, Referent Thorsten Polleit, Preisträger Richard Mason, Preisträger Mattias Oppold, Prinz Philipp und Werner Tabarelli. (Foto: Paul Trummer

VADUZ - Fragen von Toleranz und Intoleranz widmeten sich die Essays von Mattias Oppold aus Deutschland, Marcos Falcone aus Argentinien und Richard Mason aus Grossbritannien. Alle drei konnten für ihre Ausführungen am Montag den 10. Vernon Smith Prize entgegennehmen.

Wann wird Toleranz gegenüber Ideen oder Verhalten zum Verbrechen? In Zeiten des verstärkten Aufkeimens extremer Ideologien gewinnt diese Frage wieder vermehrt an Bedeutung, weshalb sich auch der 10. Vernon Smith Prize genau diesem Thema widmete. Studierende aus 11 Nationen verfolgten in ihren Essays die Frage «Does tolerance become a crime when applied to evil?». Die drei bestbewerteten Ausführungen konnten schliesslich am Montagabend in der Hofkellerei in Vaduz ihren Geldpreis aus den Händen von Prinz Philipp, als Stiftungsratsmitglied der «European Centers for Austrian Economics Foundation» (ECAEF), entgegennehmen.

Ideen in Konkurrenz

Den Anfang der Präsentationen machte am Abend der Brite Richard Mason, der in seinem Papier, nicht direkt auf die Frage eingeht, und vielmehr die Idee des «Marktplatzes der Ideen» hochhält. Für ihn sei – im Sinne Karl Poppers - klar, dass unbeschränkte Toleranz auch gegenüber Intoleranz, die Zerstörung der Toleranz zur Folge haben werde. Gleichzeitig warnt er jedoch vor staatlichen Eingriffen, die radikale Ideen in den Untergrund drängen, die Selbstzensur fördern würden (Political Correctness) und die öffentliche Meinung verzerren. Vielmehr sollte in einer Gesellschaft der Austausch von Ideen und die freie Demokratie gefördert sowie Einschränkungen verhindert werden. Alle Ideen sollten auf den freien Markt konkurrieren könne. Die Gesellschaft bzw. das Individuum selbst solle schliesslich entscheiden, welchen Ideen Erfolg beschert werden und welche als böse oder intolerant verdrängt werden. Der Staat solle absolut tolerant bleiben, während der Einzelne entscheidet, welche Ideologien er toleriert, fasst Mason zusammen.

Das zahlreich erschienene Publikum verfolgte die Ausfüh­rungen mit gros­sem Inte­resse. (Foto: Paul Trum­mer)

Staatlich Intoleranz

Mit einer wesentlich klareren Antwort wartete hingegen der Zweitplatzierte Marcos Falcone auf, der der Zeremonie nur via Videobotschaft beiwohnen konnte. Ja, Toleranz werde zum Verbrechen in dem Moment in dem sich die Regierung einmische, so der Argentinier und führte damit aus, was passiere, wenn ein Staat nicht universell tolerant bleibe. "Toleranz-Verbrechen" würden aus staatlichem Handeln oder Tatenlosigkeit im Namen der Toleranz entstehen. So würde die Einschränkung der Meinungsfreiheit aus Gründen der politischen Korrektheit, in vielen Staaten eigentlich gegen die Grundgesetze verstossen. Ähnliches gelte für die Toleranz von kulturellem Verhalten, welches grundrechtlich gewährte Freiheiten einschränke. Werde dies durch staatliches Gewalt abgesichert, könne es laut Falcone als physische Aggression und somit als Verbrechen gegen alle gewertet werden, die mit dieser Toleranz der Intoleranz nicht übereinstimmen.

In eine komplexe, philosophische Ausführung stürzte sich schliesslich Mattias Oppold, der für seine Ausführungen zu Moral und Recht nach Emmanuel Kant und David Hume den Hauptpreis mit nach Hausen nehmen konnte. Er kommt zu dem Schluss, dass es zwar eine moralische Pflicht sei böse Absichten zu tolerieren, da sie sich nicht ohne Einschnitte in den freien Willen verhindern liessen, man jedoch nicht verpflichtet sei jedes Verhalten zu billigen, erklärte Oppold dem Publikum und führte aus: Neben der moralischen Pflicht zur Toleranz gegenüber moralischen Vergehen, gebe es schliesslich auch eine moralische Pflicht zur Intoleranz gegenüber unrechtmässigem Verhalten.

Die Preisträger

  • Mattias Oppold (D), PhD-Student der Ökonomie an der TU Kaiserslautern. Erster Preis im Wert von 4000 Euro
  • Marcos Falcone (AR), Fullbright Student an der University of Tennessee, Knoxville, Zweiter Preis im Wert von 3000 Euro
  • Richard Mason (GB), Student an der Maastricht University Faculty of Arts and Social Sciences, Dritter Preis im Wert von 2000 Euro
(sa)

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