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Schweiz|12.09.2018

Thurgauer Kantonsrat macht seinen Kampf gegen Hepatitis öffentlich

FRAUENFELD - Im Kanton Thurgau leben rund 2700 Menschen mit Hepatits. Einer davon war Daniel Frischknecht. Der 54-jährige Kantonsrat kämpfte erfolgreich gegen die schwere Krankheit und gegen überteuerte Medikamente.

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FRAUENFELD - Im Kanton Thurgau leben rund 2700 Menschen mit Hepatits. Einer davon war Daniel Frischknecht. Der 54-jährige Kantonsrat kämpfte erfolgreich gegen die schwere Krankheit und gegen überteuerte Medikamente.

Obwohl Hepatitis B und C heilbar ist, sterben an den Virus-Erkrankungen in der Schweiz pro Jahr 200 bis 300 Menschen - fünf Mal mehr als an HIV.

Am Mittwoch diskutierte der Thurgauer Grosse Rat eine Interpellation mit dem Titel "Still aber folgenreich: Bekämpfung der Hepatits B und C Epidemie im Thurgau". Eingereicht hatte sie die Thurgauer SP-Kantonsrätin Marina Bruggmann. Wie die Pflegefrau schreibt, sterben in der Schweiz fünf Mal mehr Menschen an den Folgen von Hepatitis C als an einer HIV-Infektion, obwohl Hepatits C seit 15 Jahren geheilt werden kann.

Die Thurgauer Regierung legte Zahlen vor und versprach, dass sie den Kampf gegen Hepatitis verstärken werde. Gemäss einer Hochrechnung leben im Thurgau 2700 Menschen mit der meldepflichtigen Krankheit. 1350 Personen wissen nicht, dass sie Hepatitis B oder Hepatitis C haben, die unbehandelt zu schwersten Leberschäden und schliesslich zum Tod führen.

Betroffener erzählt

Einer der Betroffenen ist der Thurgauer Kantonsrat Daniel Frischknecht, Mitglied der EDU-Fraktion. Der 54-jährige Psychologe erzählte an der Ratssitzung von seiner Hepatitis-Infektion, mit welcher der ehemalige Drogenkonsument 30 Jahre lang lebte. Dank dem christlichen Glauben überwand Frischknecht die Heroinsucht.

Dass er sich mit Hepatitis C angesteckt hatte, wusste er. Doch die Krankheit machte sich lange nicht bemerkbar. 1996 hatte er einen ersten Schub. "Ich fühlte mich schlapp und müde und wäre am liebsten bereits nach dem Mittagessen ins Bett gegangen", erinnert sich Frischknecht. Die Ärzte diagnostizierten eine Leberfibrose und schlugen ihm eine Behandlung mit Interferon vor. Wegen der schweren Nebenwirkungen habe er aber abgelehnt, erzählte Frischknecht nach der Ratssitzung der Nachrichtenagentur Keystone-sda.

Vor zwei Jahren seien dieselben Symptome wieder gekommen. Zuerst habe es geheissen, die Erkrankung sei nicht so gravierend, die Krankenkasse müsse die Heilungskosten nicht übernehmen. Doch Frischknecht suchte Hilfe bei einem andern Spezialisten.

60'000 Franken für Medikamente

Eine Leberpunktion ergab schliesslich eine Leberzirrhose. "Nun war ich ein schwerer Fall und die Kosten waren kein Thema mehr", sagt Frischknecht. Die Behandlung begann. Als er erfuhr, dass die Medikamente in der Packung, welche die Fachfrau ihm gab, 20'000 Franken kosteten, habe es ihm die Sprache verschlagen.

Für die gesamte Therapie hätte er drei Packungen gebraucht, was 60'000 Franken gekostet hätte. Er erkundigte sich bei einem Bekannten, einem Facharzt, nach Alternativen und bestellte schliesslich in Australien Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff.

Diese kosteten rund 30 Mal weniger: 700 statt 20'000 Franken pro Packung. Die Medikamente habe er aus der eigenen Tasche bezahlt. "Das ist doch Geschäftemacherei. Ich kann nicht verstehen, dass das Bundesamt für Gesundheit diese Praxis der Pharma-Industrie schützt", sagt Frischknecht, der nach der erfolgreichen Therapie von Hepatitis geheilt ist.

Krankheit ausrotten

Das vor vier Jahren auf privater Basis gegründete Netzwerk Hepatitis-Strategie-Schweiz will die virale Hepatitis in den nächsten 15 Jahren eliminieren. Die Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) unterstützt das Netzwerk ideell. Die Kantone sind angehalten, Präventions- und Sensibilisierungsmassnahmen zu unterstützten.

Auch der Kanton Thurgau wolle seine Anstrengungen im Kampf gegen Hepatitis verstärken, versprach Gesundheitsdirektor Jakob Stark im Grossen Rat. Obwohl die Durchimpfungsrate für Hepatits B bei den Jugendlichen gestiegen sei, liege sie im Thurgau nur bei 61 Prozent. Im Schweizer Durchschnitt sind 71 Prozent der Jugendlichen gegen die sexuell übertragbare Krankheit geimpft.

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