Leserbrief

Die Konjunktur erholt sich! Und die Arbeitnehmenden?

Fraktion der Freien Liste | 5. März 2016

Wirtschaftsstandort

Liechtensteins Arbeitsmarkt steht heute ausgezeichnet da, trotz der Frankenproblematik. Die Zahl der offenen Stellen hat sich verdoppelt, die Arbeitslosenzahlen nehmen ab. Vor einem Jahr noch haben einige Unternehmer erklärt, dass bestimmt viele Arbeitsplätze ins Ausland ausgelagert werden müssen. Dies häufig verbunden mit einer Drohung an die Politik, dass ja nichts am Wirtschaftsstandort verändert werden soll: Oft wird der Untergang der Industrie und Wirtschaft beschworen und damit des ganzen Landes, wenn ein sozialerer Wirtschaftsstandort gefordert wird. Die grossen Einbrüche und auch der grosse Stellenabbau sind bisher bei jeder der vergangenen Krisen ausgeblieben: Der Regierungschef-Stellvertreter liess sich so zitieren, dass die vielen offenen Stellen «ein starkes Zeichen für unseren robusten Arbeitsmarkt und damit direkt ein Indiz für eine sich erholende Konjunktur sind» («Vaterland»).
Der Arbeitsmarkt Liechtensteins ist robust, die Produkte für die Exportindustrie finden weiterhin guten Absatz. Das überrascht bei der hohen Qualität der inländischen Produkte nicht. Worüber selten gesprochen wird, sind die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die zusammen mit den Unternehmern den Erfolg massgeblich mitprägen. Es sind auch sie, die beispielsweise im harten wirtschaftlichen Umfeld mehr arbeiten. Wie geht es ihnen, die zum Teil ihre Arbeitszeit erhöhen oder Massnahmen wie Eurolöhne hinnehmen mussten?
Wirtschaftskrisen werden häufig dazu benutzt, Massnahmen wie Eurolöhne zu rechtfertigen, die dem ganzen Wirtschaftsstandort schaden. Sie werden auch instrumentalisiert, um für tiefe Arbeitgeberbeiträge für die Pensionskasse zu argumentieren. Irgendwann reicht’s!
Der Landtag wird die Gelegenheit haben, sich für bessere Pensionslösungen, die den Vergleich mit der Schweiz nicht scheuen müssen, einzusetzen. Ausserdem wird sich der Landtag im April mit einer Motion der Freien Liste beschäftigen, welche die Auszahlung von Eurolöhnen gegen den Wunsch der Angestellten verbieten soll. Die Freie Liste wird sich dabei für die Arbeitnehmenden einsetzen, die den Erfolg der Wirtschaft ausmachen. «Krisenstimmung» zur Rechtfertigung von Ausbeutung und zur Rechtfertigung von schwachen Sozialleistungen zu verbreiten, ist nicht nur unsachlich, sondern auch ein unlauteres Druckmittel.

Fraktion der Freien Liste

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