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Leserbrief

Gleiche Medizin für Alle

Anna und Florian Michel,Am Wangerberg 38, Triesenberg | 5. September 2017

Spitalswesen

Offensichtlich ist die Existenz der Klinik Medicnova ein grosses Problem für das Landesspital – und damit auch schuld an dessen finanzieller Misere, die jetzt sogar einen Notkredit erfordert. So sehen es jedenfalls die offizielle Politik und auch die Verantwortlichen des Krankenhauses Vaduz. Und so ist es auch seit Wochen in unseren Tageszeitungen zu lesen.
Wenn man dies aber einmal genauer betrachtet, merkt man sehr schnell, dass die Medicnova nur Patienten behandeln darf, die halbprivat oder privat versichert sind. Alle Liechtensteiner/-innen, welche nur allgemein versichert sind, müssten sich demnach trotzdem im Spital Vaduz behandeln lassen und für die nötige finanzielle Auslastung sorgen. Warum diese Patienten sich aber lieber den Ärzten in Grabs oder Feldkirch anvertrauen, kann wohl kaum der Medicnova zugeschoben werden – sondern vielleicht der in Vaduz gebotenen medizinischen Qualität …?
Dass wiederum bringt uns auf den nächsten Punkt. Wir sind zwei junge, sich in der Ausbildung befindende Liechtensteiner, die sich eine Zusatzversicherung nicht leisten können. Wir würden uns im Falle einer Erkrankung, aufgrund eigener Erfahrungen, nur sehr ungern im Spital Vaduz behandeln lassen. Trotzdem würden wir es sehr schätzen, wenn wir einen Spitalaufenthalt in unserem eigenen Land verbringen dürften. Durch eigene Recherchen und Besuche für ein Schulprojekt in der Medicnova sind wir davon überzeugt, dass die Klinik über die modernsten medizinischen Einrichtungen und über hochqualifizierte Ärzte verfügt, die ein grosser Teil der Bevölkerung aber leider nicht in Anspruch nehmen darf.
Es sollte doch möglich sein, dass die gleichen Konditionen für beide Spitäler gelten und dass jeder Bürger und jede Bürgerin selber entscheiden kann, wo er sich gerne behandeln lassen würde. Es wäre nicht nur wirtschaftlich gesehen die gleiche Chance auf Erfolg für beide Spitäler, sondern auch eine Auflösung der Zweiklassen-Gesellschaft, die momentan im Gesundheitsbereich herrscht. Die Teilung der Bevölkerung in einem so modernen und reichen Staat wie Liechtenstein stimmt uns doch mehr als nachdenklich …

Anna und Florian Michel,
Am Wangerberg 38, Triesenberg

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