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Leserbrief

Erdogan lässt grüssen

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 2. September 2017

Leserbriefe

«Die Redaktion behält es sich vor, Zuschriften nicht zu publizierten und kann darüber keine Korrespondenz führen.»
Dieser unscheinbare Satz, den sich die Zeitungen neuerdings erlauben, hat es tatsächlich in sich. Selbst wenn man die arrogante Überheblichkeit aussen vorlässt, bleibt noch sehr viel übrig, welches es näher zu betrachten gilt.
Da wäre zuerst einmal der Hochmut, welchen sich zwei kleine Provinzblättchen erlauben, als wären sie die «NZZ» und dabei vergessen, dass sie ohne die Medienförderung, direkt und die Amtsnachrichten indirekt finanziert aus Steuergeldern, den Laden schliessen müssten.
Dann ist es diese Dreistigkeit, mit welcher Redakteure über das seit Urzeiten gewachsene System der freien Lesermeinung in diesem Lande verfügen. Leserbriefe haben in Liechtenstein einen ganz anderen Stellenwert wie anderswo. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur und Gesellschaft. Es ist verständlich, wenn beleidigende oder zu häufige Zuschriften nicht veröffentlicht werden können. Aber in diesem kleinen Lande, mit diesen guten Steuerfranken muss es möglich sein, mit dem Schreiber einen Konsens zu finden.
Ich abonniere eine Zeitung, damit sie mich über die Dinge und die Lage im Lande aufklärt. Eine Zeitung, welche mir die Meinung meines Nachbarn vorenthält und mir nur auftischt, was ihr gerade so passt und welche glaubt, dass ich für gewisse Dinge und die Meinung anderer zu dumm und zu blöd bin, brauche ich eigentlich nicht. Man muss sich das einmal vorstellen. Eine Zeitung entmündigt den Leser, behandelt ihn wie einen kleinen Gof und schickt ihm dafür auch noch eine Rechnung für das Abo. Aber gut, dieser Gof ist ja selbst schuld, wenn er sich so ein Blatt kauft, das ihm nur ausgefilterte, nichtssagende Reste präsentiert.
Der wichtigste Satz im Medienförderunsgesetz ist jener, in welchem dem Herausgeber eines Blattes die Pflicht auferlegt wird, die Meinungsvielfalt zu fördern. Wenn dieser nun hergeht und Meinungen einfach unterdrückt, verstösst er gegen diese seine Pflicht. Es gibt genügend Beispiele in diesem Lande, wo Leserbriefschreiber dazu aufrufen, den einen oder anderen nicht mehr zu drucken, oder gar mit der Abokündigung drohen. Und tatsächlich lassen sich unsere zwei Parteiblätter darauf ein und zeigen sich erpressbar.
Ich kenne eine Frau, die kämpfte erfolgreich, dass Hans Gassner nicht mehr schreiben kann. Derweil fliegt sie jedes Jahr nach Tibet und kämpft dort dafür, dass diese Menschen ihre Religionsfreiheit bekommen.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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