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Leserbrief

Alle 40 Sekunden rollt ein Lastwagen daher

Andrea Matt, Gemeinderätin Mauren-Schaanwald | 3. Dezember 2022

Schützen wollte die liechtensteinische Regierung die Bevölkerung, die entlang der Strasse zum Zollamt Tisis-Schaanwald lebt. Deshalb hat sie 1999 ein verlängertes Lastwagen-Nachtfahrverbot eingeführt und erreicht, dass die Lastwagen-Fahrzeiten bis heute gleichgeblieben sind, obwohl die Zollabfertigungszeiten ausgedehnt wurden. Die Industrie- und Handelskammer klagte gegen das Fahrverbot und verlor. Der Staatsgerichtshof erklärte, das Fahrverbot sei rechtmässig, denn es diene dem Schutz der Anwohner vor Lärm- und Luftbelastung, beuge der Zunahme des Lastwagenverkehrs vor und bewahre nur den Status quo, also den früher durch zollorganisatorische Massnahmen geschaffenen Zustand.
Nun wird erneut versucht, dieses Fahrverbot zu kippen. Denn unterhalb der Stadt Feldkirch soll die Tunnelspinne entstehen, mit dem die Lastwagen direkt von der Autobahn bis kurz vor die Grenze geleitet werden. Problematisch ist dies, weil sich aktuell morgens die Lastwagen vor der Grenze regelmässig so weit zurück stauen, dass der Stau in den Stadttunnel hineinreichen würde. Das darf nicht passieren.
Vorarlberg möchte nun erreichen, dass die Regierung Liechtensteins das Fahrverbot aufhebt. Für Vorarlberg wäre das die günstigste Lösung, für Liechtensteins Bevölkerung die schlechteste. Denn die Belastung ist bereits jetzt sehr hoch: An einem Wochentag rollt alle 40 Sekunden ein Lkw vorbei. Zu 80 Prozent ist es inneralpiner Nord-Süd-Transitverkehr. Vier von fünf Lkw’s sind 40-Tönner. Eine Ausweitung der Fahrzeiten um fünf Stunden in Kombination mit einer besseren Zufahrt durch den Tunnel würde die Route deutlich attraktiver machen. Erheblicher Mehrverkehr wäre die Folge.
Dabei liegen die besseren Lösungen auf der Hand. Man könnte in Feldkirch das gleiche Fahrverbot wie in Liechtenstein einführen. Lkw’s könnten entlang der Autobahnen ausserhalb der Stadt parken und von dort staufrei zum Zollamt geleitet werden. Man könnte auch an einem Binnenzollamt ausserhalb der Stadt abfertigen und die Lkw’s auf mehrere Zollämter verteilen.
Es gibt also gute Möglichkeiten, die Bevölkerung in Feldkirch und in Liechtenstein vor dem Lkw-Transitverkehr zu schützen. Ob sie kommen, hängt davon ab, ob die Regierung klar Nein zur Aufhebung des Fahrverbots sagt.


Andrea Matt,
Gemeinderätin Mauren-Schaanwald

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