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Leserbrief

Regierung rezeptiert bittere Pille

Reinhard Walser, Bartlegrosch 38, Vaduz | 3. Dezember 2022

Wir leben in einer schwierigen Zeit. Eine Krise folgt der nächsten. Jetzt haben wir die Energiekrise. In der Schweiz erhöht sich der Strompreis fürs nächstes Jahr im Durchschnitt um lediglich 27 Prozent. Und bei uns? Die Anpassung des Strompreises von 8 auf 27 Rappen pro KWh entspricht einer Erhöhung von sage und schreibe fast 240 Prozent. Diese Erhöhung wird unsere Stromkosten im kommenden Jahr massiv hinaufschnellen.
Die unterschiedliche Preiserhöhung ist selbstverschuldet. Die Politik hat es in den vergangenen Jahrzehnten versäumt, der Eigenversorgung die notwendige Beachtung zu schenken. Sie hat versagt. Zur Information: In der Schweiz beträgt die Eigenversorgung 80 Prozent, bei uns weniger als 30 Prozent. Entsprechend unterschiedlich ist die notwendige Menge Stromeinkauf bei der explodierenden internationalen Strombörse.
Als Kompromiss hat die Wirtschaft der Regierung vorgeschlagen, den Strompreis auf 14 Rappen zu deckeln. Solidarisch für alle. Für Unternehmen und für Private. Eine solche solidarische Lösung hätte den Vorteil gehabt, dass sie für alle einigermassen erträglich gewesen wäre und sie hätte zudem die Inflation eingebremst.
Die Regierung und die beamten-lastige Task Force wollten das nicht. Der Kompromiss sei zu teuer. Man könne die Reserven nicht anzapfen, da man deren Finanzgewinne für die Deckung des Haushaltes benötige. Da muss die Frage erlaubt sein, wofür wir eigentlich Reserven haben, wenn diese nicht in Krisenzeiten eingesetzt werden sollen.
Mit dem Vorschlag der Regierung, punktuell vorzugehen, wird ein Grossteil der Unternehmen, fast alle, die bittere Pille schlucken müssen, was in der «Pillensprache» Komplikationen bringen wird. Intern erzeugt man eine Wettbewerbsverzerrung, die einen bekommen Unterstützung, die andere nicht. Nach aussen wird die Wettbewerbsfähigkeit massiv geschmälert, vor allem gegenüber unserem wichtigsten Handelspartner, der Schweiz. Als Folge ist mit unzähligen Insolvenzen zu rechnen.
Auch der Grossteil der Privaten, fast alle, müssen die bittere Pille schlucken. Zusammen mit den allgemeinen Preissteigerungen werden wir alle den grössten Kaufkraftverlust der letzten Jahrzehnte erfahren. Die Folge? Der Einkaufstourismus ins billigere Vorarlberg wird aufblühen und der allgemeine Konsum wird einbrechen. Als Folge werden Beizen und Geschäfte dichtmachen.
Erstaunlich! Unsere Volksvertreter(?) haben einstimmig dieser gesellschafts-schädlichen Rezeptur zugestimmt. Armes, reiches Liechtenstein.

Reinhard Walser,
Bartlegrosch 38, Vaduz

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