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Leserbrief

Kommt der Strom-Hammerpreis?

Reinhard Walser, Bartlegrosch 38, Vaduz | 24. September 2022

Obwohl betreffend des Strompreises für das kommende Jahr im Land «Schweigen im Walde» herrscht, steigt die Nervosität bei den Einwohnerinnen und Einwohnern sowie bei den Unternehmen. Diese sind mitten im Budgetprozess und sollten eigentlich schon lange Klarheit haben.
Rein stromtechnisch ist Liechtenstein im Vergleich zu anderen Ländern, besonders im Vergleich zur Schweiz, ausgesprochen schlecht aufgestellt. Wir haben lediglich eine Eigenversorgung von rund 30 Prozent des Strombedarfs. Dank der Wasserkraft hat die Schweiz eine Eigenproduktion von über 80 Prozent.
Ganz offenbar hat man bei uns in den vergangenen Jahrzehnten der Eigenversorgung wenig Beachtung geschenkt. Das rächt sich nun.
Die Folge davon? Die Schweiz muss lediglich 20 Prozent des Strombedarfs bei der internationalen Strombörse einkaufen, wo die Preise explodieren. Diese haben sich mehr als verzehnfacht!!!
Im Gegensatz dazu muss Liechtenstein nun gezwungenermassen über 70 Prozent des Strombedarfs zu gigantisch hohen Preisen einkaufen. Das heisst nach Adam Riese: Der Strompreis in Liechtenstein müsste als Folge davon – rein rechnerisch – um ein Vielfaches über demjenigen der Schweiz liegen. Diese hat für 2023 eine durchschnittliche Erhöhung von 27 Prozent angesagt.
Sollte dieser Hammerpreis für Liechtenstein kommen, dürfte das Land in eine wirtschaftliche und soziale Depression abstürzen. Die Wirtschaft würde gegenüber der Schweiz an Wettbewerbsfähigkeit einbüssen, einige Unternehmen würden wohl in die Insolvenz gehen. Und ebenso bedenklich: Familien mit mittleren und niedrigen Einkommen würde es knüppelhart treffen.
Was kann dagegen getan werden? Augen zu und durch? Undenkbar!!! Die Politik ist gefragt. Sie sollte nun reagieren und Massnahmen ergreifen, damit der voraussichtliche Hammerpreis abgefedert wird. Als eine Möglichkeit wäre jetzt wohl denkbar, dass für die kommenden zwei Jahre die Reserven des Landes (über 2,5 Milliarden Franken) und die Reserven der LKW (über 300 Millionen Franken) für einen wirtschaftlich wettbewerbsfähigen und sozial verträglichen Strompreis angezapft würden.
Nachdem die Regierung, der Landtag und die Parteien bei den letzten beiden Abstimmungen von den Bürgerinnen und Bürgern eine bittere Klatsche schlucken mussten, könnten nun die «da oben» bei den «da unten» mit einem beherzten Eintreten für einen verträglichen Strompreis «Goodwill» zurückgewinnen, was für die weitere Zukunft unseres Landes ausgesprochen förderlich wäre.

Reinhard Walser,
Bartlegrosch 38, Vaduz

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