Leserbrief

«Daham» im Poststrukturalismus

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 24. September 2022

Nur einmal lesen reicht heute bei vielen Dingen nicht, um die ganze Absurdität des Dargebotenen zu erfassen und manchmal mag man es auch beim zweiten und dritten Mal kaum glauben. Mir ging es so, beim Lesen des Artikels «Daham», der, wie es dort hiess, «Liechtensteinerin Christiani Wetter», auf Seite 26, im «Volksblatt» vom 22. September. Der Tarif wird dort gleich in den ersten Zeilen erklärt: Einen Menschen zu fragen «Wo kommst Du her?» ist eine «No-Go-Frage»! Damit nicht genug. «(…) Die Frage nach der Herkunft (…) verweist auf ein tiefsitzendes gesellschaftliches Problem: Menschen mit anderer Hautfarbe spricht man so unbewusst das Ius soli (wörtlich: Recht des Bodens) oder das Ius sanguinis (wörtlich: Recht des Blutes) ab. Mit wo kommst Du her? rekurriert man auf die Abstammung der Vorfahren. Zugehörigkeit kann niemals erworben, sondern nur besessen werden (…)». Sie sehen, Frau Wetter kennt keine Gnade. Ganz im Sinne ihrer Einflüsterer. Ich habe ihren Artikel an Bekannte ins Ausland verschickt. Die Proteste folgten auf dem Fusse. Einer schrieb mir aus Malaysia. Ihn frage man dort dauernd wo er herkomme. Und das beinahe 15 Jahre nach seiner Einwanderung. Ein Problem damit habe er aber nicht, sondern immer wieder beste Gespräche, mit interessanten und interessierten Menschen. Nix «Ius soli»! Nix «Ius sanguinis»! Auch wir, als wir 2018 in Kanada waren, hatten kein Problem damit, dass bei jedem Kennenlernen «Darf ich fragen, woher Sie kommen?» entweder der erste, spätestens aber der zweite Satz des Begrüssungsrituals war. Nachdem sich das zum 150sten Mal wiederholt hatte, kamen wir zum Schluss, dass der Kanadier damit seine interessierte Wertschätzung zum Ausdruck bringen will. Nix «Ius soli»! Nix «Ius sanguinis»! Nix «Ius Schwachsinn»! Man fragt sich, weshalb hochintelligente Multitalente, wie Frau Wetter, gem. Volksblatt immerhin «Schauspielerin, Moderatorin, Produzentin, Kolumnistin und Drehbuchautorin für Fernsehen, Theater und Kino in Vaduz, Wien und Berlin» auf derartige Absurditäten kommen? Aber vielleicht ist das das Problem? Unser­einer wäre ja schon froh, wenn er einen einzigen Job halbwegs auf ­die Reihe brächte. Wenn man, im ­woken Milieu, in Vaduz, Wien und Berlin, in fünf anspruchsvollen Jobs gleichzeitig, andauernd Perfektion abliefern soll, geht irgendwann, zwangsläufig, der gesunde Menschenverstand flöten. Es ergibt sich ein tiefsitzendes gesellschaftliches Problem. Es steigt die Gefahr, dass man irgendwelchen absurden Theorien auf den Leim geht.

Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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