Leserbrief

Zur Landtagsdebatte vom 31. August, Teil zwei

Karl Jehle, Runkelsstrasse 29, Triesen | 22. September 2022

In Teil eins habe ich bereits einige Eindrücke von der Landtagssitzung geschildert. Hier nun der zweite Teil.
1. Nichteintreten: Das heisst für mich, das Thema des Rentenstillstandes seit über zehn Jahren ist diesen Abgeordneten völlig egal. Die Fairness-Initiative, die diesen Missstand beheben will, wird ignoriert. Nichteintreten bedeutet Diskussionsverweigerung.
2. Finanzierung: Für den Abgeordneten Wendelin Lampert (FBP) ist die Finanzierung dieser AHV-Initiative überhaupt kein Problem. «Wir sind im Land, wo Milch und Honig fliesst, wir sind ja reich, haben genug Geld, leben alle im Luxus, es fehlt nur an der Umverteilung der Gelder für dieses Projekt.» Wir sind gespannt, welche Umverteilungsvorschläge von Wendelin Lampert kommen werden.

Die No-Gos Rentenkürzung, Beitragserhöhung, Erhöhung des AHV-Eintrittsalters, Erhöhung des Staatsbeitrages wurden bereits von diversen Abgeordneten angemeldet.
Fakt ist: Der Staatsbeitrag wurde in den letzten Jahren von 60 Millionen auf 30 gekürzt (CH-Staatsbeitrag 20 Prozent; FL: 11 Prozent). In den letzten 25 Jahren wurde zulasten von uns mehrmals das AHV-Alter angehoben (von 62, 63, 64 auf 65). Auch die Beiträge wurden mehrmals erhöht.
Es scheint uns durchaus diskussionswert zu sein, ob an diesen Stellschrauben nicht doch mittel- und langfristig gedreht werden soll und muss, zumal die Lebenserwartung pro Jahr bei allen um drei Monate steigt. Das würde bedeuten, dass zum Beispiel der Jahrgang 1980, der mit 65 im Jahre 2045 in die AHV käme, dann um eine 5 ¾ Jahre höhere Lebenserwartung hätte als heute. Dies ist für uns Grund genug, mittel- und langfristig entsprechende Handlungen zu setzen (gestaffelte Erhöhung des Eintrittsalters und Beiträge).
Bei 11 Jahren AHV-Reserve sehen wir für die nächsten 5 Jahre kein Handlungsbedarf. Es gibt auch noch andere Finanzierungsmodelle wie IV, MwSt., Casinoeinnahmen …
Alle AHV-Bezüger sollen ein Rechtsanspruch auf diese längst fällige Anpassung haben.
3. Parlament, Landtag: «parlare», reden, nach Lösungen bei den Problemen suchen, diskutieren, entscheiden – das wäre der Auftrag.
Wir wundern uns sehr über die Tatsache, dass weder von den Seniorengruppen der VU/FBP und anderen an der Altersarbeit interessierten Kreise keine Wortmeldungen und Aktivitäten in dieser Sache kommen.
Wir möchten es jedoch nicht versäumen, jenen Abgeordneten zu danken, die der Fairness-Initiative eine Chance geben, vor allem den Initianten Johannes Kaiser und Manfred Kaufmann und hoffen auf eine Befürwortung der Vorlage.

Karl Jehle,
Runkelsstrasse 29, Triesen

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter