Leserbrief

Lots Frau

Loretta Federspiel, Werthsteig 9, Mauren | 1. August 2022

Bei der Sommerlektüre bin ich auf die biblische Geschichte von Lots Frau gestossen, jener Neugierigen, die sich umgedreht hat und beim Anblick der brennenden Städte Sodom und Gomorrha zur Salzsäule erstarrt ist – als Opfer eines Bombenangriffs? Vor plötzlicher Erkenntnis, wie sehr sie und Lot zur Katastrophe beigetragen haben? Wenn ich mich nach einigen Tagen Medienferien wieder den Nachrichten widme, spüre auch ich beim Betrachten der politischen Weltkarte den klebrigen Belag, den Tränen und Schweiss hinterlassen. Der eine brabbelt unverständliche Sätze, die andere hat bombenliefernd einen Sprachfehler, der dritte fantasiert wie ein Roboter, der vierte lässt nur Abfälliges gegen das Volk heraus – diese und viele andere, die es wagen, ihren verdorbenen Charakter zu zeigen, regieren unsere Welt. So scheint es wenigstens. Ich bin überzeugt, dass da ein Jemand über allem zuschaut, Zeit hat, und schliesslich Ordnung schafft. Denn so kann der Schöpfer unsere Welt nicht gedacht haben.
Als der Herr des Alten Testamentes mit Abraham verhandelte, dass er bei nur zehn Gerechten, die sich finden lassen, die Städte verschonen würde, fand sich offenbar kein einziger. Auch Lot, dem die Rettung durch Flucht zugesagt wurde, gehörte nicht dazu. Er verhandelte ebenfalls und wollte eben noch seine beiden minderjährigen Töchter dem Mob vorwerfen: «Ihr könnt mit ihnen machen, was ihr wollt», rief er der aufgebrachten Menge zu, weil er hoffte, so seine Haut retten zu können. Damit hat die Menschengeschichte nach Sodom und Gomorrha ihren weiteren Verlauf genommen. Einen, der in meinen Augen recht redet und das Rechte vertritt, fand ich in Herbert Elkuch, Dpl-Landtagsabgeordneter, mit seinem Leserbrief «Das Produkt ist ein Kind», «Volksblatt» vom 28. Juli. Er schildert das Verfahren, das durch Leihmutterschaft entsteht, vom eingepflanzten Embryo bis zu den Agenturen, Labors und Kinderwunschkliniken, die die grossen Profiteure sind – alles in allem nichts anderes als Handel, Dienstleistung und – Herzlosigkeit. Danke, Herbert ­Elkuch, für deine Ausführungen!
Die Mitglieder des Vereins Flay, die mit ausschweifenden Erklärungen Gesetz und «faktenbasierte» Diskussionen fordern («Volksblatt» vom 30. Juli) fallen dagegen bös ab. Hoffen wir, dass sie später beim Blick zurück auf ihre Forderungen nicht zur Salzsäule erstarren.

Loretta Federspiel,
Werthsteig 9, Mauren

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