Leserbrief

Selektive Sicht von Gesellschafts- minister Frick

Othmar Züger, Aeulegraben 32, Triesen | 15. Juni 2022

Im Radio-L Mittagstalk am letzten Freitag zum Initiativbegehren zur Abschaffung der Krankenkassen Franchise für AHV-Rentner können die fünf Punkte von Regierungsrat Frick gegen die Initiative nicht unwidersprochen bleiben.
Zum Ersten: Ja, Alter bedeutet nicht Bedürftigkeit, aber AHV-Rentner weiter keinerlei Entlastungen zuzugestehen, während Gehälter seit elf Jahren um rund 6 Prozent gestiegen sind, bedeutet einen gezielten ­Sozialabbau bei denen, die massgeblich den heutigen Wohlstand mitgeschaffen haben.
Zum Zweiten: AHV-Rentner werden nicht besonders begünstigt, im ­Gegenteil, sie wurden mit Reduzierungen von Steuerfreibeträgen zur Sanierung des Staatshaushalts ­zusätzlich steuerlich belastet, ein Ausgleich ist nun überfällig.
Zum Dritten: Ja, Krankenkassen­prämien sind kürzlich minimal ­gesunken, sie sind aber über die letzten elf Jahren allein in der Grund­prämie um nun rund 900 Franken pro Jahr gestiegen.
Zum Vierten: Von Giesskannen zu sprechen, nur weil eine kleine Minderheit reicher Rentner auch diese Franchise-Befreiung erhielten, führt hinter’s Licht, dass mit einer Streichung für Reiche ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand zwischen Steueramt, Gesundheitsamt und Krankenkassen entstehen würde, der die Kosteneinsparungen einer Streichung mehr als aufheben und den Staatsapparat weiter aufblähen würde.
Zum Fünften: Wenn altersbedingt über 90 Prozent der Rentner auf ärztliche Behandlung angewiesen sind und diese weiterhin mit Kostenbeteiligungen mitfinanzieren, werden mit Wegfallen der Franchise die Rentner nicht öfters zu Arzt laufen. Sie sind und waren es, die eher zögerlich zum Arzt gehen.
Zum Letzten: Ja, Teuerung des ­offiziellen Warenkorbs war tief in letzten Jahren, nur beinhaltet dieser genau nicht die wahren Kostentreiber, nämlich versteckte und ­direkte staatliche Abgaben und ­Gebühren, Steuern, Krankenkassen und Versicherungen. Wenn es ­praktisch keine Teuerung gab, ­wofür bekamen dann Landes­angestellte wie Regierungsrat Frick sogar 6,5 Prozent Gehaltserhöhungen über die letzten 11 Jahre?


Othmar Züger, Aeulegraben 32, Triesen

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