Leserbrief

Der VCL unter Strom?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 3. Juni 2022

In seinem Beitrag «E-Autos-Hype oder Vorteile?», wird der VCL nicht müde, die Elektroautos in den höchsten rosaroten Tönen zu malen. Er sieht darin praktisch nur Vorteile und wie wenn es hätte sein müssen, verbandelt er sich dabei auch noch mit dem, inzwischen exklusiven und vor allem unantastbaren Verein der CO2-Götter. Woher dieser Sinneswandel? War es dem VCL doch bislang erstes Anliegen, den Autoverkehr zu reduzieren und die Fahrräder, oder die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen und die Dörfer autofrei zu machen. In dem VCL Beitrag vermisst man; wie könnte es anders sein, auch nur ein Quäntchen Hinterfragen. Natürlich ist das Elektroauto eine wunderbare Sache nur: Wie umwelt- und menschenfreundlich ist die Herstellung und die Entsorgung der Batterien und wo kommt denn all der viele Strom überhaupt her, wenn nicht aus der Steckdose? Durch die Verstädterung leben immer mehr Menschen in Mehrfamilienhäusern, also mit praktisch keinen Möglichkeiten den Ladestrom vom Dach herunterzuholen. Und wie werden die Autos im Winter, wenn es saukalt ist, Schnee liegt und das bisschen Solarstrom nicht einmal für die Heizung reicht, aufgeladen? In der Schweiz wurden nun 40 000 Elektroautos neu zugelassen. Alle auf einmal aufzuladen erfordert 6,5 Terrawattstunden. Ein Atomkraftwerk liefert aber nur 1200 Megawatt. Dieses hin und her zu rechnen ist abendfüllend und die Ergebnisse natürlich labil. Neulich hat einer errechnet, dass wenn Deutschland voll auf Elektromobilität umgestiegen ist, es dafür 1223 Atomkraftwerke brauchen wird. Also die Ladestrombeschaffung wird nach dem Atom-, Gas- und Kohleausstieg eine Sache, bei welcher einem das Lachen vergeht. Auch muss man über die neue lüsterne Glaubensrichtung des VCL, zwar nicht gerade nachdenken, aber zumindest ironisch betrachten. Ein Verein, der seit seiner Gründung gegen das Autofahren wettert und mit einer Fahrradpflicht für jedermann schwanger geht, ein doch recht seltsam und abrupter Sinneswandel.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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