Leserbrief

Weg von Diskriminierung und hin zu gleichen Rechten für LGBTQAI+

Verein für Menschenrechte (VMR) | 1. Juni 2022

Am 11. Juni organisiert der Verein Flay die erste Pride in Liechtenstein. Mit einem bunten Fest werden die LGBTQIA+-Gemeinschaft, ihre Freunde, Familien und Unterstützer/-innen die Vielfalt unserer Gesellschaft feiern. Es gibt gute Gründe, zu feiern, denn Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität erfahren auch in Liechtenstein immer breitere Akzeptanz und Toleranz. Doch gibt es auch noch einiges zu tun, um vollständige Rechtsgleichheit zu erreichen. Am 7. Mai 2022 hat der Landtag mit der Aufhebung von Art. 25 des Partnerschaftsgesetzes ein klares Zeichen für die Gleichbehandlung gesetzt und den Weg frei gemacht für den Zugang zu Fortpflanzungsmedizin und Adoption für gleichgeschlechtliche Paare. Diese können nun, genauso wie heterosexuelle Paare, eine gemeinsame Elternschaft begründen. Der Verein für Menschenrechte in Liechtenstein (VMR) begrüsst diese Entwicklung. Es ist ein wichtiger Schritt hin zur Beseitigung von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung der Eltern und für den Schutz der Kinderrechte. Die Unterscheidung zwischen Ehe und eingetragener Partnerschaft ist somit nicht mehr sachlich begründbar und die Ehe für alle ein konsequenter nächster Schritt. Europaweit anerkennen 17 Länder die Ehe für alle, darunter auch die Schweiz, die sich am 26. September 2021 mit einer klaren Mehrheit der Stimmberechtigten dafür ausgesprochen hat.
Die eigene sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität bestimmen und leben zu können, ist ein Menschenrecht. Im europäischen Mittel sind etwa 6 Prozent der Bevölkerung der heterogenen Personengruppe der LGBTQIA+ zuzuordnen. Umgerechnet auf Liechtenstein wären dies ungefähr 2300 Menschen. Der VMR beobachtet die Situation in Liechtenstein. Bereits im Jahr 2020 hat er der Regierung vier Empfehlungen zur Stärkung der Rechte der LGBTQIA+-Personen unterbreitet: Die Erstellung einer Studie zur Situation von LGBTIQIA+-in Liechtenstein, die Einführung der Ehe für alle, die Einführung eines Personenstandsgesetzes und die Schaffung der Möglichkeit, ein neutrales, das heisst nicht binäres Geschlecht, in offiziellen Dokumenten eintragen zu lassen. Denn alle ­Personen sollen selbst entscheiden können, welchem Geschlecht sie angehören. Es soll dabei berücksichtigt werden, dass sich nicht alle Personen weiblich oder männlich zuordnen können oder wollen. Die bestehende geschlechtliche Vielfalt soll anerkannt werden und niemand darf aufgrund seiner Geschlechtsidentität oder seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden. Jeder Mensch hat die gleiche menschliche Würde und verdient den gleichen Respekt – auch darauf macht die Pride aufmerksam.


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