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Leserbrief

Daumen nach unten!

Loretta Federspiel, Werthsteig 9, Mauren | 14. Mai 2022

Auf die «grobschlächtige» Art des Leserbriefes von Sigmund Elkuch zur Transplantationsdebatte in der Schweiz würde ich eigentlich lieber nicht eingehen. Aber die Respekt­losigkeit und das niveaulose Abhandeln des Themas belegt das Selbstverständnis anzunehmen, der Staat dürfe über unseren Körper verfügen. Der Chirurg, der mit einem Daumen hoch auf das Angebot des Patienten reagierte, im Fall des Misslingens der Operation seinen Körper «ausschlachten»zu dürfen, müsste eigentlich mit dem Daumen nach unten zeigen, wie es die Cäsaren machten, wenn sie in der Arena den siegenden Gladiator aufforderten, seinen unterlegenen Gegner zu töten. In unserer Zivilisation gibt man dem Verstorbenen drei Tage Zeit, um sich ganz vom irdischen Leben zu verabschieden – was voraussetzt, dass man den Menschen als ein geistiges Wesen versteht. Erst Ende der 1950er-Jahre wurde die Definition Gehirntod quasi ­erfunden, was dann der «ethisch vertretbaren» Organentnahme den Weg freimachte. Es gibt aber genügend Meldungen darüber, dass dem «Gehirntoten» vor der Entnahme Schmerz- und Beruhigungsmittel verabreicht werden.
Im Leserbrief wird das Einbalsamieren im Alten Ägypten erwähnt – auch hier wird mit einer Gossen- oder Kreuzworträtselbildung versucht, sich das Thema anzueignen. Vor dem Einbalsamieren wurden zwar die Organe entfernt, diese aber in vier verschiedenen, urnenähnlichen Behältern, den Kanopen, unter den Schutz der jeweilig zuständigen Gottheit gestellt und gehörten zu den Grabbeigaben. Jedes Organ hatte also seinen Schutzengel. Das Herz wurde in Leinen gehüllt und in den Körper zurückgelegt. Man verstand das Herz, nicht das Gehirn, als den Sitz aller geistigen Fähigkeiten. Es wurde von Maat, der jenseitigen Richterin, mit einer Feder aufgewogen und musste für seine Verdienste und Vergehen Zeugnis ablegen. Dabei konnte der Verstorbene bei Nichtbestehen des Examens durchaus in das ewige Nichts versenkt werden. Letzteres scheint uns egal zu sein, denn wer zustimmt, dass er dem Staat gehört bis zur allerletzten Reise, der braucht kein Gebet am Sterbebett und der unterscheidet auch den Arzt nicht von den «Würmern, ­denen er sowieso vorgesetzt wird».

Loretta Federspiel, Werthsteig 9, Mauren

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