Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Fragwürdiger Effekt von Sanktionen

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg | 5. Mai 2022

Derzeit vertritt Europa eine harte Haltung gegenüber Russland. Viele europäische Staaten manövrieren sich jedoch mittels Wirtschaftssanktionen in eine gewaltige Energiekrise, weit jenseits von Öl und Gas, die bedeutende Industrieländer trifft und eine Welle von Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung und Inflation auslösen dürfte. Dabei wird übersehen, dass Putin nicht mit einer Selbstkasteiung besiegt werden kann. Die Gefahren einer Eskalation werden ebenfalls nicht berücksichtigt. So haben die amerikanischen Wirtschaftssanktionen gegen Japan vor dem Zweiten Weltkrieg zum Angriff Japans auf Pearl Harbor beigetragen. «Der Schaden, den wir durch die Sanktionen erleiden, trägt hoffentlich dazu bei, dass wir nicht versuchen, Russland in die Knie zu zwingen. Mit einer nuklearen Grossmacht wird das nicht funktionieren. Wahrscheinlich werden die Sanktionen kurzfristig keine hinreichenden Effekte haben, um den Kriegsverlauf zu beeinflussen», so die Meinung des Kriegsursachenforschers Professor Dr. Erich Weede. Spannungen abzubauen und die Kriegsgefahr zu reduzieren, basiert einzig und alleine auf dem Ansatz, die wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht zu kappen, denn freie Wirtschaft verbindet und nur Politik trennt. Es dürfte unumstritten sein, dass das Ausmass der Sanktionen gegen Russland längerfristig die Russische Volkswirtschaft beschädigen kann. Nicht zu unterschätzen ist der Umstand, dass wir Russland keine Wahl lassen: Es wird in die Arme Chinas getrieben. Wirtschaftssanktionen stärken die Macht der Regierungen, aber beschränken damit gleichzeitig auch die Freiheit. Im Falle der Schweiz wie auch bei uns wurde mit der Aussetzung von Sanktionen gegen jeden russischen Staatsbürger nicht nur übers Ziel hinausgeschossen, nein, es wurde der Ruf der Schweiz als neutraler Vermittler unwiderruflich beschädigt. Die Schweiz hat alle grossen Katastrophen in der Geschichte jeweils glimpflich überstanden. Dies beruhte nicht zuletzt am Festhalten der Neutralität. Nachdem sich die Schweiz den EU-Sanktionen gegen Russland im Februar angeschlossen hatte, wurde dies im Ausland als Absage an die Neutralität interpretiert. Die Schweizer UNO-Botschafterin Pascale Baeriswyl wollte beschwichtigen: «An der Schweizer Neutralität hat sich nichts geändert.» Sanktionen verletzen aber auch direkt Menschenrechte, wenn den Sanktionierten kein Rechtsschutz eingeräumt wird oder diese gezielt Unschuldige treffen. Es ist eben sehr oft nicht nur die politikverantwortliche Elite, welche von den Folgen betroffen ist, sondern auch die Zivilbevölkerung. Besonders wegen dieser negativen Auswirkung sind Sanktionen immer zu hinterfragen.


Ulrich Hoch,
Grüschaweg 11, Triesenberg

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung