Leserbrief

Wirtschaftsstandort! Nicht Casinostandort!

Verein IG VolksMeinung | 9. April 2022

Es gibt Stimmen in der Politik, die meinen, die Initiative für ein Casinoverbot verfehle das Ziel, weil
a) die Initiative unserem Ruf als verlässlicher Wirtschaftsstandort schade und
b) wir die Einnahmen für eine ausgeglichene Jahresrechnung brauchen und dadurch die Reserven nicht anzapfen müssten.
Dazu ist zu sagen:
Wollen wir wirklich unseren Ruf als seriöser Wirtschaftsstandort und Staat über kurz oder lang aufs Spiel setzen? Müssen wir jetzt unsere Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit als Rechtsstaat mit der Casinobranche beweisen, indem wir dieser die Stange halten, egal wie schädlich die Entwicklung für unser Land, unseren Werk- und Finanzplatz und unsere Moral ist?
Es ist doch so: Regierung und Landtag sind 2016 bei der Änderung des Geldspielgesetzes fundamentalen Fehleinschätzungen unterlegen. Allzu leichtfertig wurde der Casinomarkt geöffnet und zu attraktiv gemacht. Nie und nimmer wären damals, 2010, bei der erstmaligen Zulassung von Casinos 5 oder gar 10 bewilligt worden, und das aus gutem Grund! Und jetzt wagen wir es nicht mehr zu korrigieren und der Casinoflut Einhalt zu gebieten, selbst angesichts der Tatsache, dass der überbordende Casinostandort dem Wirtschaftsstandort und dem Ruf des Landes als Ganzes schadet, Sozialfälle en masse generiert, in grossem Umfang Volksvermögen aus Land und Umland abzieht, mit einem kaum nachhaltigen Geschäft, das von Abhängigkeit und Gier lebt und die «gesamte Volkswohlfahrt» (Artikel 14 Landesverfassung) in keiner Weise fördert.
Wie lange wollen wir als Steigbügelhalter internationaler Spielbankenkonzerne, die unser Land mit einer fragwürdigen Industrie überziehen und auf unsere Kosten Profit schlagen, zu Diensten sein?
Mit dem Casinoverbot schaden wir unserer Reputation als Casinoland. Jawohl, und das ist gut so! Aber wir nützen unserer Reputation als Staat und Wirtschaftsstandort als Ganzes, und das ist langfristig viel wichtiger!
Brauchen wir die Einnahmen aus dem Geldspielgeschäft wirklich so dringend? Wir, das Volk von Liechtenstein mit 40 000 Einwohnern und dem höchsten Bruttonationaleinkommen pro Kopf weltweit, ohne Verteidigungsausgaben, mit riesigem Nettovermögen – sind wir nicht mehr imstande, unseren Staatshaushalt ohne Casinos im Lot zu halten? Geldspieleinnahmen, mit denen vor sechs Jahren übrigens kein Politiker gerechnet hatte.
Ganz offensichtlich haben wir Handlungsbedarf bei unserem Finanzgebaren, damit wir als verletzlicher Kleinstaat nicht noch weiter in fragwürdige Abhängigkeiten geraten, zum Schaden für unser Land, unsere Menschen, unsere Region und unser politisches Umfeld.
Es ist Pflicht und Aufgabe unserer Politik, unseren Ruf als Staat und unsere gesamte Volkswohlfahrt langfristig zu wahren und ausufernde finanzielle Eigeninteressen Privater hintanzustellen!

Verein IG VolksMeinung

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