Leserbrief

Fakten von «Kindles Homos»

FLay-Vorstand | 12. Januar 2022

Antwort auf den Leserbrief Urs Kindles, erschienen im «Volksblatt» vom 7. Januar 2022:
Wir sind der liechtensteinischen Bevölkerung dankbar, dass wir heute mitten in der Gesellschaft leben und lieben können – grösstenteils akzeptiert und anerkannt trotz nach wie vor existierender, teils auch gelebter Homophobie und Ungleichbehandlung.
Ob auch Herr Kindle uns queere Menschen dereinst als gleichwertige Mitmenschen betrachten und auf seine abwertenden Bezeichnungen verzichten kann, ist wohl fraglich.
Dass aber Fakten korrekt wiedergegeben und nicht nach Belieben vermischt werden, darf und muss verlangt werden!
Fakt I, Liechtenstein, 2011: Das Partnerschaftsgesetz steht vor der Abstimmung, schliesst Adoption und Fortpflanzungsmedizin in Art. 25 explizit aus, die Pro-Seite bezieht sich ausschliesslich auf die aktuelle Gesetzesvorlage. Eine klare Mehrheit von knapp 70 Prozent stimmt dem Gesetz zu.
Fakt II, Schweiz 2011: Das Partnerschaftsgesetz wurde bereits 2005 eingeführt, mittlerweile gibt es rechtlich nicht abgesicherte Kinder aus «Regenbogenfamilien», entsprechende Forderungen werden auf schweizerischer Seite laut.
Fakt III, Liechtenstein 2021: Heute existieren auch in Liechtenstein Regenbogenfamilien. Ein Vater klagt mit Hinweis auf die Europäische Menschenrechtskonvention gegen das Verbot der Stiefkindadoption. Das höchste Gericht stützt seine Klage vollumfänglich, gibt der Regierung Zeit für die entsprechenden gesetzlichen Anpassungen und empfiehlt der Regierung explizit, darüber hinaus die Gesamtsituation zu analysieren und gegebenenfalls Anpassungen in die Wege zu leiten. Im Zuge der Abstimmungsdiskussion in der Schweiz wird auch in Liechtenstein rege über die Öffnung der Ehe für Alle im Inland diskutiert.
Fakt IV, Schweiz 2021: Die «Ehe für Alle» wird deutlich angenommen, gleichgeschlechtliche Paare erhalten die volle Gleichstellung.
Fakt V, Liechtenstein 2021/22: Die Regierung schlägt eine Minimallösung vor, verweigert sich darüber hinaus den Empfehlungen des obersten Gerichts und ignoriert damit, dass die rechtliche Gleichstellung in Bezug auf die Ehe für S.D. Fürst Hans-Adam (Interview vom 14.02.2021) als wohl auch für eine deutliche Mehrheit der liechtensteinischen (Stimm-)Bevölkerung ausser Frage steht.
Der gesellschaftliche Konsens verändert sich, die zivilrechtliche Gesetzgebung folgt mit Verzögerung. Diesen Prozess als Salamitaktik zu bezeichnen, ist typisch für Gegner, die bereits eine Abstimmung deutlich verloren haben.
Es ist Zeit, zu handeln und die «Ehe für Alle» auch in Liechtenstein einzuführen!

FLay-Vorstand

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