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Leserbrief

Olympische Spiele in Peking – Ein politischer Boykott ist fällig

Adolf Ritter, Töbelweg 9, Mauren | 4. Dezember 2021

Wer glaubt, man könne mit der Vergabe von sportlichen Grossanlässen auf autoritäre Regime einwirken, handelt naiv. Zur Erinnerung: Bei den Winterspielen 2014 in Sotschi beschworen Staatschefs und der willfährige Präsident des Internationalen Komitees (IOK), Thomas Bach, den olympischen Geist der Völkerverständigung und Menschlichkeit und präsentierten sich mit Wladimir Putin in Champagnerlaune. Doch kaum waren die Statisten der medialen Selbstinszenierung abgereist, zeigte der Autokrat im Kreml sein wahres Gesicht: Er überfiel die Krim, destabilisierte die Ukraine, zerbombte Syrien, schraubte die Pressefreiheit auf Null, vergiftete seine Regimekritiker oder sperrte sie weg.
Und jetzt die Olympischen Winterspiele in Peking: Die schöngefärbten und verlogenen Bilder drohen sich zu wiederholen. Dabei ist der ewig lächelnde Xi Jinping in Sachen Entmenschlichung und Repression noch eine Nummer grösser als sein Freund in Moskau.
Menschenrechtsverletzungen überall: das gedemütigte Tibet, der Völkermord an den Uiguren, die Unterdrückung in Hongkong, die ständige Aggression und Kriegsdrohung gegen Taiwan.

Dazu kontrolliert die Kommunistische Partei die chinesische Bevölkerung; wer das Regime herausfordert, wird schikaniert, zum Schweigen gebracht oder verschwindet, wie die Tennisspielerin Peng Shuai, die dem Ex-Vizepremier Zhang Gaoli Übergriffe vorwirft, der Arzt Li Wenliang, der bereits im Dezember 2019 in Wuhan vor Corona warnte und später an der Covid-Infektion verstarb oder die zu vier Jahren Gefängnis verurteilte Juristin, Bürgerrechtlerin und Bloggerin Zhang Zhan, die Bilder der überfüllten Spitäler in Wuhan ins Netz stellte.
Wer sich mit Diktatoren einlässt, die Unterdrückung, Drohung, Willkür, Zensur, Verletzung des Völkerrechts und der Menschrechte, Genozid und Aufhebung des politischen und gesellschaftlichen Pluralismus als legale Mittel staatlichen Handels begreifen, macht sich zum Komplizen. Augen zu und durch, das geht nicht mehr. Wir können nicht weiter das Geschäft über unsere Prinzipien stellen; so werden wir unglaubwürdig und angreifbar. Die Linie von Thomas Bach, «stille Diplomatie», Weglächeln, Schönfärberei und unter-den-Tisch-kehren, ist schäbig und lächerlich zugleich. Gefragt ist Haltung! Steve Simon, der CEO der Frauen-Tennistour, macht es vor; er erklärt «die sofortige Einstellung aller WTA Turniere in China, einschliesslich Hongkong». Das ist die einzige Sprache, die China versteht. Von den Sportlerinnen und Sportlern kann man kaum erwarten, dass sie auf die Spiele verzichten. Aber ein politischer Boykott ist jetzt fällig.

Adolf Ritter, Töbelweg 9, Mauren

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