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Leserbrief

Dialog

Giorgio Endrizzi, Schwefelstrasse 28, Vaduz | 8. November 2021

Die hinter Mons. Haas liegende Vorstellungen sowie Gehorsamsverweigerung gegenüber Papst Francesco, weil, wie er sagt, ein Dialog mit den hiesigen Gläubigen «verzweckt» werden kann, ist nicht christlich. Das widerspricht auch großen Teilen der katholischen Denktradition und weit älteren philosophischen Einsichten.
Recht hat Pater Martin Werlen, der «das selbstgerechte Getue der Kirche» kritisiert und sich gegen eine «ängstlich besorgte Denkmalpflege der Vergangenheit» wehrt.
Es ist bekannt, dass eine moralische Norm nicht deshalb richtig ist, weil Gott sie will, sondern dass Gott sie will, weil sie moralisch richtig ist und dies aus Vernunft erkannt werden kann. Die Kirche hält ausserdem daran fest, dass die Gläubigen im Allgemeinen und die Diener der Kirche im Speziellen dem Papst Gehorsam leisten müssen. «Gehorsam» hat in der Kirche einen geistlichen Sinn. Denn das Haupt der Kirche, Jesus Christus, «war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz» (Phil 2,8). Dialogbereitschaft ist ein Kriterium der Glaubwürdigkeit der Kirche. Eine Kirche, die den Dialog verweigert, widerlegt sich selbst. Dialog ist keine Stilfrage, sondern eine Lebensfrage für die Kirche. Entscheidend dabei muss die Autorität von Argumenten und nicht das Argument der Autorität sein.
Hat der Herzbischof seine Erfahrungen in Chur vergessen und wie seine Ernennung als Erzbischof von Vaduz erfolgt ist? Nicht er darf entscheiden, ob ein Dialog in der Kirche unnötig ist. Ein Überdenken seiner Entscheidung bezüglich des Dialogs mit dem Heiligen Vater und den Liechtensteinern wäre gut für alle Seelen und für die Kirche, weil dies auch der vernünftigste Wunsch der Katholiken in Liechtenstein ist. Die Liechtensteiner verstehen mehr als gewisse Herren gern hätten. Nicht Despotismus ist die Lösung, sondern eine echte und empfundene Dialogs-Bereitschaft. Ich bete den Heiligen Geist um Erleuchtung, damit wieder Frieden und Dialogbereitschaft unter uns ist.

Giorgio Endrizzi,
Schwefelstrasse 28, Vaduz

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