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Leserbrief

Fake News als Überlebensstrategie

Felix Näscher, Kirchstrasse 11, Vaduz | 4. November 2021

Zum Forumsbeitrag «Richtungsweisende Gesetzesvorlage vs. Verbreitung von Fake News» des Wald­eigentümervereins, «Volksblatt» vom 3. November:
Der Wald mit seinen vielfältigen Leistungen ist von einer solchen Bedeutung für die gesamte Volks-wohlfahrt, dass er als öffentliches Gut zu gelten hat; mit ihm wäre auch dementsprechend umzugehen. Umso eigentümlicher mutet deshalb ein Konstrukt wie der «elitäre» Waldeigentümerverein an, dem zwei Präsidenten von Alpgenossenschaften, die Vorsitzende einer Bürgergenossenschaft, ein Gemeindevorsteher und zwei Revierförster vorstehen – wohlbemerkt, alles rechtschaffene und ehrenwerte Leute, aber halt keine ausreichend qualifizierten Jagd- oder Waldsachverständigen. Und dennoch beanspruchen sie die Deutungshoheit über Wild- und Waldfragen allein für sich. Faktenbasierte Aussagen – seien es Zahlen aus Untersuchungen des zuständigen Amtes oder dem Statistischen Jahrbuch – negieren sie nicht nur – sie verleugnen sie; und um dem Ganzen noch eins draufzusetzen, verorten sie solche gar als verwerfliche Fake News: mit hilflosem Dulden eines überforderten Amtes, mit abstrusem Herumschwurbeln und mit Umgehung jeder seriösen Fachdiskussion glaubt dieser Waldeigentümerverein, mit einer Revision des Jagdgesetzes das Ableben einer kranken Forstwirt-schaft hinauszögern zu können: nicht auf den Wald und den Hirsch gilt es zu zielen – die von ihnen propagierte Forstwirtschaft selbst ist der Sanierungsfall.
Wie die unselige Jagdgesetzänderung auch ausfallen mag, das Wild könnte sein damit behördlich ver-ordnetes, wildbiologisch und tierschützerisch fragwürdiges Heruntergeschossenwerden – ein Armuts-zeugnis für unsere Wohlstandskultur – ebenso überdauern wie es vor Jahrzehnten vom Kriegshunger getriebene Beinahe-Ausrottungen oder masslose Wilderei überstanden hat; dies allerdings nur, wenn die Situation heute nicht eine völlig andere wäre: Die naturferne Forstwirtschaft, die sich über Harvester-PS definiert, aber der Erhaltung natürlicher, sich seit Jahrhunderten selbst erhaltender Ökosysteme keine Achtung schenkt, zerstört den Wildlebensraum unwiederbringlich; und genau das ist der Skandal.

Felix Näscher,
Kirchstrasse 11, Vaduz

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