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Leserbrief

Waldverjüngung – Bösartige Faktenleugnung

Felix Näscher, Kirchstrasse 11, Vaduz | 30. Oktober 2021

Zum Artikel im «Vaterland» vom Donnerstag, den 28. Oktober:
«Waldverjüngung wird an der Urne entschieden» geistert – unter Bezug auf die Diskussion einer Jagdgesetzänderung – als spekulative Schlagzeile durch die Medienkanäle. Was für ein Blödsinn: Waldverjüngung findet allein draussen im Wald statt! Und diese Waldverjüngung funktioniert – auf natürliche Weise quasi in Selbstautomatisation: «Die Naturverjüngung … ist heute in der forstlichen Praxis oft die einzige angewandte Verjüngungsmethode: Naturverjüngung 90 Prozent, gemischt 10 Prozent, künstlich weniger 1 Prozent» lautet unter dem Titel Waldverjüngung ein Fazit im Bericht zum Landeswaldinventar 2012 – wohlgemerkt, ein Bericht, der vom zuständigen Amt nach schweizerischem Standard erstellt wurde; ein Bericht auch, welcher die einzige aktuelle und objektive Datengrundlage für die Waldverantwortlichen bildet. Die erfolgreiche natürliche Selbstregeneration des Waldes belegt auch das Statistische Jahrbuch: Beliefen sich die Zahlen der künstlich nachgezogenen Forstpflanzen in der Schaaner Unterau noch in den 1980er-Jahren auf 600 000 bis 700 000 Stück, waren es 2020 noch rund 5 Prozent davon.
Die natürliche Waldverjüngung ist also tatsächlich gesichert; dies vor allem in jenen Wäldern, die – von Axt und Motorsäge weitestgehend unberührt – sich selbst überlassen bleiben: Naturnahe Bergwälder vermögen sich selbst zu regenerieren; wie könnte es auch anders sein, haben sich diese Bergwälder doch über Jahrtausende ohne Zutun des Menschen erhalten. Probleme mit der Waldverjüngung bestehen jedoch dort, wo Waldackerbau-Methoden zur Anwendung kommen.
Fachlich unbegründete und hinsichtlich Notwendigkeit unbelegte Wilddezimierungen und Verletzungen des Tierwohls als Resultat einer Jagdgesetzänderung – darf dies das Ziel einer Gesetzesrevision sein? Wer dem Wald, dem Klima und der Biodiversität helfen will, muss nur das Waldgesetz umsetzen und «Waldwirtschaft» statt «Forstwirtschaft» betreiben – anstatt Faktenleugnern bräuchte es Leute mit waldbaulichem Sachverstand und ökologischem Verantwortungsbewusstsein.

Felix Näscher,
Kirchstrasse 11, Vaduz

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