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Leserbrief

Ist die Zertifikatspflicht zu rechtfertigen?

Sigi Scherrer, Landstrasse 79, Vaduz | 2. Oktober 2021

In der vom Springer-Verlag herausgegebenen «Wiener Medizinischen Wochenschrift» (Ausgabe 2021; 171(1): 9–15) veröffentlichten Professorin Martina Schmidhuber und Professor Karl Stöger (beide Universität Graz) unter dem Titel «Personenbezogene Gesundheitsdaten in einer Pandemie – ethische und rechtliche Aspekte» eine Untersuchung, die die Zertifikatspflicht in ein höchst fragwürdiges Licht stellt: «(…)1 Immunitätszertifikate betreffen gesundheitsbezogene persönliche Daten, da sie eine durchgemachte Erkrankung bekannt machen. Ethisch und rechtlich heikel sind sie aber vielmehr aufgrund der an sie geknüpften Folgen: Wird etwa eine durchgemachte Infektion mit besonderen Privilegien verknüpft, ist das ethisch (…) nicht fair und rechtlich im Lichte des nicht nur in der österreichischen Verfassung enthaltenen Gleichheitsgrundsatzes sehr schnell diskriminierend. Aus ethischer Sicht darf der einzige Grund für Immunitätszertifikate nur der Schutz von Menschen sein. Weder Privilegien noch Diskriminierungen dürfen Folgen dieser ­Zertifikate sein (…). Dass man sich eine wiederholte Testung erspart, ist sachlich begründbar, aber etwa den Besuch von Veranstaltungen oder die Einreise mit einer bestehenden Immunität zu verknüpfen (und nicht nur mit der Abwesenheit einer Erkrankung), ist eine Diskriminierung. Im Gegensatz zu einer Impfung, die man bewusst in Anspruch nehmen kann, ist eine Erkrankung letztlich ein schicksalhaftes Ereignis. An sie Privilegien zu knüpfen, könnte letztlich einen perversen – und sowohl für den Einzelnen als auch für das Gesundheitssystem problematischen – Anreiz zur Selbstinfektion liefern.»

Sigi Scherrer, Landstrasse 79, Vaduz

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