Leserbrief

Verklärung und Wirklichkeit

| 30. September 2021

Die Ansiedlung der Walser in lebensfeindlichen Berglagen und ihre eingeschränkten Anbaumöglichkeiten auf kargem Boden widerspiegeln sich im jahrhundertelang nicht gerade pfleglichen Umgang mit dem Bergwald. So wurde 1952 der Bärgwald, ein Wald östlich oberhalb von Lavadina, zwischen Stärnabärg und Ritboda, mit Verordnung unter Bann gestellt: Aus Sorge um die Sicherheit des Weilers Lavadina durften dort fortan weder Baum noch Strauch gefällt werden. In den 1970er-Jahren präsentierte sich dieser Bärgwald als ein nach Kahlschlägen mit standortsuntauglichen Rottannen aufgeforsteter, einförmiger, bürstendichter, ein Durchkommen verunmöglichender, kaum eine Bodenflora enthaltender sowie instabiler und lebensfeindlicher «Kunstwald».
Beginnend von Stärnabärg nach Süden wurde deshalb vor über 40 Jahren begonnen, den Bärgwald mittels behutsamer Pflegeeingriffe mit Blick auf Stabilität und Verjüngung der Bestände zu pflegen; gleichzeitig wurden die Jagdpächter zu laufend höheren Abschüssen verdonnert: Die durchschnittlichen Hirschabschüsse betrugen beispielsweise in den Jahren 1970 bis 1990 11 Stück, 1990 bis 2010 15.9 Stück und 2010 bis 2020 23.3 Stück. Dank zusätzlichen künstlichen Verbauungen, … vermag der Bärgwald jetzt tatsächlich seinen Beitrag zum Schutz von Lavadina zu leisten: Er steht heute da, wie er Jahrhunderte lang nie dagestanden hat.
Nicht jeder, der in seiner Jugend schon mal im Wald eine Niele geraucht oder im Garten mit dem Luftgewehr auf einen Spatz gezielt hat, ist gleich auch ein Wald-Jagd-Spezialist; allein schon ehrliches Bemühen um Sachinformationen und deren kritische Bewertung ermöglichten ein träfes Urteil: Zu einfach gestrickt und zu offensichtlich populistisch kommen unreflektierte Aussagen daher wie «Seit er vor zwanzig Jahren erstmals in den Landtag gewählt wurde, werde die Schutzwaldproblematik verschleppt» und «Für dieses Kasperletheater habe ich einfach keine Nerven mehr» – Nerven, deren Strapazierung sich der Herr Abgeordnete selbst eingebrockt hat.
Felix Näscher, Kirchstrasse 11, Vaduz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung