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Leserbrief

Verantwortungs- bewusste Digitali- sierung an Schulen?

Arthur Bras, Matschilsstrasse, Triesen | 30. September 2021

Die Entscheidung der Regierung zur millionenschweren Anschaffung von digitalen Endgeräten an Schulen beruht auf 20 positiv ausgefüllten Elternfragebögen mit fragwürdigen Kriterien, einer Studie aus dem Jahre 2015 im Auftrag des Technologiekonzerns Samsung sowie aus 16 öffentlich nicht weiter definierten «Unterrichtsbeobachtungen». Dies geht aus der Interpellationsbeantwortung LNR 2019-1355 hervor: «Die Erfahrungen im Pilotprojekt in Ruggell (Evaluationsbericht Tablet-Projekt GS Ruggell, 2018) sowie weitere Pilotprojekte in der Schweiz (z.B. an der PH Schwyz) bilden eine wichtige Grundlage für den Entscheid der Regierung. Aufgrund der Auswertung des Pilotprojekts in Ruggell konnten klare Vorteile nachgewiesen werden, wenn die Schülerinnen und Schüler ab der ersten Klasse persönlich ausgestattet sind.
Die Regierung ist daher überzeugt, einen guten und verantwortungsbewussten Entscheid getroffen zu haben.» In dieser Interpellationsbeantwortung wird auch aus einer Zusammenfassung von Metaanalysen von Heike Schaumburg zitiert:
«Studien und Metaanalysen kommen immer wieder zum Schluss: Auf die Lehrperson kommt es an. Kein noch so ausgeklügeltes (digitales) System kann sie ersetzen.» ­Unerwähnt bleibt folgender Inhalt dieser Zusammenfassung:
«Allerdings ist die Lerneffektivität gemessen an Aufwand und Kosten eher gering und im Vergleich zu anderen Maßnahmen zur Lernförderung unterdurchschnittlich. Aus den vorliegenden Studien lässt sich auch nicht eindeutig ableiten, dass bestimmte Ausstattungskonzepte besonders wirksam sind.» Bereits 2019 wurde unter anderem durch die «New York Times» bekannt, dass Eltern in Kaderstellen von Technologiekonzernen, deren Produkte an unseren Schulen eingesetzt werden, ihre eigenen Kinder auf teure Privatschulen schicken, welche die Nutzung dieser Geräte verbieten. Steve Jobs verbot seinen Kindern sogar, das neue iPad zu nutzen. Gemäss einer Studie der OECD erfahren Bildungssysteme, welche viel Geld in die Digitalisierung gesteckt haben, laut PISA-Studie keine spürbaren Verbesserungen für Fächer wie Mathematik, ­Lesen und Naturwissenschaften.
Nach dem Vertrauensgrundsatz würde man gerne davon ausgehen, dass die zuständigen Fachgremien in Liechtenstein, über eine höhere Qualifikation als die Hersteller ­sowie die OECD-Verantwortlichen verfügen.
Nachweislich bleiben jedoch durch die Umsetzung in dieser Form gesundheitliche, pädagogische, daten- sowie nicht zuletzt jugendschutzrechtliche Belange, zum Nachteil von Kindern, auf der Strecke.

Arthur Bras, Matschilsstrasse, Triesen

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