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Leserbrief

Eine geschützte Werkstätte?

Felix Näscher, Kirchstrasse 11, Vaduz | 15. Juli 2021

Unser Bergwald hat sich seit der letzten Eiszeit zu einem komplexen Ökosystem entwickelt, sich dabei selbst erhalten und auch ständig selbst erneuert. Ohne jedes menschliche Zutun vermag er – quasi als selbstlaufende Fabrik – neben dem vielfältig verwendbaren Rohstoff Holz ebenso erwünschte wie unersetzliche Umweltwirkungen zu erzeugen: Seit jeher verringern naturnahe Bergwald-Ökosysteme die Gefahr des Entstehens oder das Ausmass von Naturereignissen, sind Lebensraum für grosse Wildtiere sowie Rückzugsort für bedrohte Pflanzen- und Tierarten, speichern Kohlenstoff und liefern Sauerstoff, dienen als Trinkwasserspeicher und bilden für den Menschen einen Erholungs- sowie geistigen Rekreationsort. Um diese Leistungen nachhaltig zu erbringen, brauchen Bergwälder den Menschen schlicht nicht.
So kann die hierzulande gebräuchliche Satzschablone selbst ernannter Forstsachverständiger, «das Einzige, was man in diesen Wäldern falsch machen kann, ist gar nichts zu machen», nur als dümmlich-plumper Versuch verstanden werden, den Bergwald als «geschützte Werkstätte» für überdimensionierte Forstbetriebe zu vereinnahmen – und dies gegen jede wissenschaftliche Erkenntnis und praktische Erfahrung. Laut BAFU, 2021: «Der Schweizer Wald in Zahlen» kommt in der Schweizer Waldwirtschaft eine Vollzeitstelle auf 463 ha Wald; dabei steht der Schweizer Wald weltweit als Musterbeispiel für eine naturnahe und nachhaltige «Waldwirtschaft». Nur 75 – 85 ha Wald kommen dagegen hierzulande auf eine Vollzeitstelle; zu viele Köche verderben hier tatsächlich den Brei: Seit einigen Jahren grassiert fern jeder Nachhaltigkeit eine gesetzeswidrige «Forstwirtschaft» – waldökologischem Unverständnis, waldbaulicher Inkompetenz und einer krankhaften Jagdphobie einzelner Weniger geschuldet. Die Hirschdichte im Schutzwald ist wohl schon heute eher kleiner als diejenige der Vollzeitbeschäftigten: Interessant, was die dennoch propagierten Berufsjäger zum vorgeheuchelten Wohl des Bergwaldes auf’s Korn nehmen werden.

Felix Näscher, Kirchstrasse 11, Vaduz

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