Leserbrief

FC Vaduz und seine Millionen

Reinhard Walser, Bartlgrosch 38, Vaduz | 8. Juli 2021

Zurzeit wird im Rheinpark-Stadion für fünf Millionen Franken eine Rasenheizung (Energiestadt Vaduz?) eingebaut. Ein trügerisches Zeichen von überbordendem Wohlstand und rappelvollen Gemeindekassen. Seit dem Bau des Stadions hat die Gemeinde wohl über 50 Millionen Franken in Erneuerung und Unterhalt investiert. Trotz dieser grosszügigen Haltung weigert sich die «neue» Führung des FC Vaduz konsequent, in den Tenue-Farben der Gemeinde zu spielen. Was in Triesenberg, St. Gallen oder München (1860) selbstverständlich ist, wird in Vaduz kindisch negiert. Offenbar schämt man sich, Sympathieträger der Gemeinde und Eckpfeiler einer seit 1932 rot-weissen Tradition zu sein. Man schämt sich, «Vaduzer» zu sein. Diese Halsstarrigkeit ist einfach nur respektlos. Oft sind kleine Zeichen wichtiger als ein 0:1-Sieg in letzter Minute. Für ein «Vaduzer-Sein» bräuchte es wenig: Ein klein wenig Dankbarkeit. Ein klein wenig Empathie. Und ein klein wenig Charakter.
Für den Spielbetrieb hat der FC gemäss Insider-Informationen in den letzten 20 Jahren weit über 100 Millionen Franken investiert. Der Grossteil dieser Millionen ging in die Hosentaschen ausländischer Spieler. Als Folge davon fuhr man – entgegen den eigenen medialen
Ankündigungen – einen destaströsen Anti-Liechtenstein-Kurs. Die Liechtensteiner wurden auf die Tribüne verbannt, auf gut Deutsch rausgeekelt. Beitrittswilligen die Tür zugeschlagen und jungen Talenten der Zugang zum Profifussball verwehrt. Dies alles zum Nachteil der liechtensteinischen Nationalmannschaft. Diese läuft Gefahr, zur Lachnummer Europas zu verkümmern. Sie ist nun im Fifa-Ranking auf 186 abgestürzt (früher war man mal bei 115). Hinter ihr liegen noch die europäischen Fussballzwerge Gibraltar und San Marino. Es ist höchste Zeit, dass der LFV und der Hauptsponsor die Reissleine ziehen. Bei einem «weiter so» wird das Paradepferd des LFV, die Nationalmannschaft, schon morgen statt fröhlich wiehern nur noch kränkelnd lispeln. Der Slogan des Hauptsponsors MBPI – «Aus Liechtenstein – für Liechtenstein» – wird zur traurigen Farce. Auch hier bräuchte eine Umkehr nicht viel. Ein klein wenig Vernunft. Ein klein wenig Rückgrat. Vor allem aber ein grosses Herz für Liechtenstein. Es ist erschreckend, wenn ein begeisterter Fussballfan und Vaduzer Urgestein sich die zornige Frage stellt, ob es nicht sinnvoller wäre, anstatt ausländischen Fussballern ihr Hobby zu vergolden, die Armut in Liechtenstein abzuschaffen. Dies wäre von einem Tag auf den andern möglich. Schon morgen?

Reinhard Walser,
Bartlgrosch 38, Vaduz

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