Leserbrief

Ein beängstigend gutes Gewissen

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 1. Juli 2021

«… aber für die Sicherheit kann es niemals genug sein … aber ohne Gesetze funktioniert es nun mal nicht … aktiv das Morgen für die kommenden Generationen gestalten …» das und anderes mehr schreibt Herr Reinhold Zanghellini in seinem Pro-Tempo-30-Leserbrief im «Volksblatt» vom 30. Juni. Da kann ich nicht anders; da kommt er mir einfach wieder in den Sinn, der irische Schriftsteller Clive Staples Lewis mit seinem Zitat über die Tyrannei, ausgeübt zum Wohle ihrer Opfer. Wir erinnern uns: «(…) Es dürfte besser sein, unter der Herrschaft einer Räuberbande als unter allmächtigen, moralischen (…) Wichtigtuern zu leben. Die Grausamkeiten des Räuberhauptmanns dürften zeitweise erschlaffen (…), aber jene, die uns zu unserem eigenen Besten quälen, werden uns ohne Ende weiter quälen, weil sie das unter dem Beifall ihres eigenen Gewissens tun.»
Der Beifall seines eigenen Gewissens hat in Herrn Zangehellinis Argumentation schon beinahe etwas Beängstigendes. Man spürt, da ist nicht die geringste Spur eines Selbstzweifels.
«Niemals genug»! Also kein Gedanke daran, dass es irgendwann doch genug – eventuell sogar zu viel des Guten – sein kann mit der Sicherheit, den Gesetzen und dem Gestalten des «Morgens» für kommende Generationen.
Und dennoch gibt es ihn, den Punkt, wo man der Forderung nach noch mehr Sicherheit die Eigenverantwortung entgegenzustellen hat und derjenigen nach noch mehr oder noch strengeren Gesetzen den rechtmässigen Anspruch, in Ruhe gelassen zu werden. Ohnehin das ultimative und einzig legitime Menschenrecht.
Fangen Sie jetzt bei Tempo 30 damit an und legen Sie ein Nein in die Urne. Weitere Gelegenheiten, sich daran zu erinnern, werden leider zuhauf folgen.

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan

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