Leserbrief

Corona – Vom Zynischsein

Norman Wille, Auring 9, Vaduz | 1. Juli 2021

Und noch einmal, ein paar Gedanken zu Corona. Vielleicht gar nicht unbedingt zu Corona. Ein paar Gedanken zum Gesund- und Kranksein. Nach über 40 Jahren, in denen mich die unaufhaltsam fortschreitende Zerstörung meiner Nieren in allen möglichen Spitälern der Region beschäftigt hat. Nach mehr als 10 Operationen, einer Nierentransplantation und bis heute 8 Jahren Dialyse, einer schweren Herzoperation, bei der mein Herz über die Herz-/Lungenmaschine während 37 Minuten stillgestanden hat. Nach all diesen Eingriffen bekomme ich offizielle Schreiben der Regierung, in denen steht: «Bleiben Sie gesund.» Bei Besuchen in öffentlichen Ämtern, beim Gehen, der gut gemeinte Spruch «Bleiben Sie gesund». Ich habe das nicht als zynisch empfunden. Aber, es zeigt, wie wenig sensibilisiert wir in unserer Gesellschaft dafür sind, dass Krankheit, nicht Gesundsein, zu unserem völlig normalen Leben gehört. Ich bin froh, dass es viele Menschen gibt, die sich bester Gesundheit erfreuen. Und mit etwas Glück sogar bis ins hohe Alter. Aber, es ist nicht allen vergönnt. Und zwar nicht (nur) wegen Infektionskrankheiten wie Corona. Zurück zum Alltag. Zu unserem «normalen» Leben, zu dem Gesundheit und auch das «krank sein» ganz alltäglich dazugehören. Das sollten wir uns wieder viel mehr vor Augen halten. Der grüne Pass, der uns bescheinigt «nicht Coronakrank» zu sein. Er bildet einen winzigen Bruchteil unseres gesundheitlichen Lebens ab. Weit entfernt von jeder Lebenswirklichkeit. Weit entfernt von allen Patienten dieser Welt, die an allen möglichen Krankheiten, nur nicht an Corona, leiden. Wenn irgend etwas in der Coronakrise zynisch war und ist: Dann ist es der «Grüne Pass». Aufhören mit der Panik, mit der Angst. Sie gehören zu uns, all die Krankheiten, die wir so sehr fürchten.

Norman Wille, Auring 9, Vaduz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung