Leserbrief

Wahrnehmungsprobleme?

Karin Jenny, Untere Rütigasse 5, Vaduz | 24. Juni 2021

Die Freie Liste macht sich seit Monaten zum Opfer und verhindert damit aktiv einen konstruktiven Umgang mit dem Konflikt. Einem Zustand, den es seit Jahren gibt, der aber bislang gekonnt umgangen wurde. Schien ja auch lange genug zu funktionieren.
Lieber Interimsvorstand, ich bin irritiert über euren Kommunikationsstil, der gerade in der Krise ein fundamental anderer sein sollte. Eure Schuldzuweisungen sind das Gegenteil einer Konfliktlösung. Es werden die Medien für euer Desaster verantwortlich gemacht. Medien, die von der FL vom obersten Gremium gefüttert wurden mit Vorwürfen gegen den Vorstand, wie «Putsch» etc. Eine Kriegsrethorik, die ihresgleichen sucht. Dass sich dasselbe Co-Präsidium ein paar Tage später beklagte, die Zeitungen würden «unwahr, spalterisch, parteipolitisch» unterwegs sein, liess mich endgültig an eurer Wahrnehmung zweifeln.
Und ihr macht grad in dem Stil weiter. Nichts deutet auf eine professionelle Kommunikation hin, nichts auf Versuche, den Konflikt zu deeskalieren, Lösungen zu suchen oder gar von Personen unabhängig, die Strukturen nüchtern und mit Abstand zu analysieren.
Ihr wollt die «Retter der Freien Liste» sein? Es tut mir leid. Ich verfolge eure Statements mit grossem Interesse und immer noch heissem Herzen, aber ich habe eher das Gefühl, dass ihr mit diesem Aktionismus alle in die Tonne tretet. Immer mehr schleicht sich das Gefühl in mir ein, dass ihr mehr Teil des Problems als Teil der Lösung seid. Zu verstrickt in persönlichen Zu- und Abneigungen.
Die Freie Liste hat sich immer schon schwer getan, die Arbeit engagierter Menschen zu würdigen. Doch was jetzt passiert, ist versteckte bis offene Herabwürdigung. Dass die Fraktion immer noch gute Sacharbeit leistet, diese auch sachlich kommuniziert, geht in dem Dauerstreit völlig unter. Dass man an einem Tag das Engagement der Jungen lobt, sie aber nach dem Austritt schlechtredet, ist ein Armutszeugnis.
Und nein, bevor irgendwelche Verschwörungstheorien den Umlauf nehmen, ich wurde von niemandem angestiftet, bezahlt oder eingeladen. Ich kann lesen, zwei und zwei zusammenzählen und habe meine eigenen Erfahrungen mit dem Führungsstil der Freien Liste – der sich, liest man die Stellenanzeige, anscheinend bis heute nicht geändert hat.
Habt doch den Mut, genau hinzuschauen. Persönliche Befindlichkeiten sind kein Massstab.

Karin Jenny, Untere Rütigasse 5, Vaduz

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