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Leserbrief

Tyrannei zum Wohle ihrer Opfer

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 16. Juni 2021

«Von allen Tyranneien dürfte jene Tyrannei, die zum Wohle ihrer Opfer ausgeübt wird, zu den schlimmsten zu zählen sein. Es dürfte besser sein, unter der Herrschaft einer Räuberbande als unter allmächtigen, moralischen (…) Wichtigtuern zu leben. Die Grausamkeiten des Räuberhauptmanns dürften zeitweise erschlaffen (…). Aber jene, die uns zu unserem eigenen Besten quälen, werden uns ohne Ende weiter quälen, weil sie das unter dem Beifall ihres eigenen Gewissens tun.» Diesen Satz des irischen Schriftstellers Clive Staples Lewis kann man eins zu eins auf die Befürworter von Tempo 30 übertragen. Die unwiderlegbare Tatsache, dass die Verkehrssicherheit in den Schaaner Quartierstrassen bereits gewährleistet ist, stellt für sie beileibe keinen Grund dar, ihre Mitmenschen in Ruhe zu lassen. Weil sie der Ansicht sind, es müsse deutlich weniger als nichts passieren, sollen jene ein deutlich verschärftes ­Regelwerk zu akzeptieren haben. Lärm soll dort bekämpft werden, wo kein Lärm ist. Wie denn auch? In Quartieren, in denen es an 23 von 24 Stunden des Tages keinen nennenswerten Verkehr gibt, kann auch kein unerträglicher Lärm herrschen. Wo soll der herkommen? Da ist es doch wohl eher des Nachbars Rasenmäher, der die lebenswerte Idylle zur Hölle werden lässt. Apropos «lebenswert», ich kann Ihnen versichern, der Begriff wird sich relativieren. Spätestens wenn Sie die ersten Strafzettel bezahlt haben und an allen Ecken ständig von hysterisch blinkenden Strichmännchenköpfen mit heruntergezogenen Mundwinkeln verfolgt werden, weil Sie auf einer menschenleeren Strasse gerade mit 31 anstatt der vorgeschriebenen 30 km/h unterwegs sind, Sie Raser, wird es nervig werden.

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan

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