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Leserbrief

Problem auf sachlicher Basis angehen

Forstverein der HAFL | 11. Juni 2021

Der Forstverein der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) verfolgt die Diskussion in Liechtenstein rund um die Wald-Wild-Thematik seit längerer Zeit und möchte mit diesem Schreiben zu der öffentlichen Meinungsbildung beitragen.
Die Liechtensteinische Jägerschaft hat in ihrer Medienmitteilung vom 17. Mai 2021 einige Kernbotschaften aus dem Bericht von Dr. Felix Näscher zusammengefasst. Im Folgenden möchten wir auf die Punkte eingehen:
1. «Die Schutzwälder sind weitestgehend intakt»: Im Dokument «Schutzwälder des Fürstentums Liechtenstein – Wildschadengutachten» wird ersichtlich, dass der Wildeinfluss auf einem Drittel der Flächen mit direktem Objekt- oder Personenschutz inakzeptabel ist (Frehner & Zürcher, 2017). Dies bedeutet, dass hier das waldbauliche Ziel, welches im Schutzwald für den jeweiligen Waldstandort im NaiS – Nachhaltigkeit im Schutzwald definiert ist, nicht erfüllt werden kann. Kurz- bis langfristig hat dies zur Folge, dass die Wälder die ihnen zugeschriebene Schutzfunktion nicht mehr erfüllen können und hier Verbauungen oder weitere technische Massnahmen nötig werden.
2. «Die Naturverjüngung funktioniert auf 90 % der Flächen»: In Liechtenstein werden jährlich Verbissaufnahmen durchgeführt, welche den Zustand der Waldverjüngung sowie deren Entwicklung aufzeigen sollen. Die Aufnahmen aus dem Jahr 2020 zeigen, dass die Verbissintensität landesweit 13 % beträgt (Rüegg 2020). Jedoch gibt es grosse Unterschiede zwischen den Talrevieren und dem Hangrevier Nord und Berggebiet. In Letzteren, in denen ein Grossteil des Schutzwaldes mit wichtiger Schutzfunktion liegt, ist die Verbissintensität bei allen Baumarten über dem Grenzwert beziehungsweise nur bei der Fichte unter diesem. Landesweit können bei dieser Intensität Fichte und Vogelbeere nur erschwert und die Tanne kaum aufwachsen.
3. «Der Liechtensteiner Wald wird seit Jahren massiv übernutzt und die Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft ist nicht belegt»: In Liechtenstein wird seit Jahren weniger Holz genutzt, als nachwächst, dies ist die Grundlage der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft (LFI 2010, S. 37). In den Jahren 1998 bis 2010 wurden im Schnitt 29 000 m3 genutzt, wobei 38 500 m3 nachgewachsen sind. Dies bedeutet, dass durchschnittlich 25 % weniger genutzt wird, als nachwächst. Somit lässt sich belegen, dass der Wald nicht übernutzt, sondern nachhaltig bewirtschaftet wird. Ein weiteres Zeichen gegen die eine Übernutzung ist die Zunahme der Waldfläche um 4 % zwischen 1998 und 2010 (LFI 2010, S. 11).
4. «Die Aussage Massive Schäden durch Hirsch, Reh und Gämse entbehrt jeder sachlichen Grundlage»: Wie in den oben genannten Punkten bereits ersichtlich, hat das Wild einen direkten Einfluss auf die ­Naturverjüngung. Weniger als 10 % der Schutzwaldflächen weisen bezüglich Verjüngung und Wildverbiss keine Probleme auf (Frehner & ­Zürcher, 2017).
Die Wald-Wild-Thematik in Liechtenstein kann nur durch ein gemeinsames Miteinander gelöst werden. Die Beteiligten Parteien aus Forst, Jagd und Politik müssen auf einer sachlichen Basis das Problem angehen, um die Schutzfunktion des Waldes nachhaltig und lang­fristig zu sichern.
Der Forstverein der HAFL steht gerne für weitere Auskünfte und konstruktive Diskussionen zur Verfügung – www.forstvereinhafl.ch.

Forstverein der HAFL

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