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Leserbrief

In Trumps Stiefeln auf Waldbegehung

Felix Näscher, Kirchstrasse 11, Vaduz | 7. Juni 2021

Laut Medienberichten lud der Waldeigentümerverband die Umweltministerin kürzlich zu einer Waldbegehung ein. Dabei sollen «Experten der Waldverjüngung» darüber informiert haben, dass die Jungpflanzen aufgrund des Wilddruckes keine Chance hätten aufzuwachsen, dass der nachhaltige Waldaufbau gefährdet und das Gefahrenpotenzial für die darunter liegenden Strassen und Häuser enorm erhöht sei; zudem stelle die fehlende Verjüngung den Hochwasserschutz infrage. Wahrlich – Frau Monauni muss sich dabei gefühlt haben wie in einer Märchenstunde; denn kein Wort war wohl zu hören von der tatsächlichen Faktenlage – von denjenigen Fakten nämlich, die im statistischen Jahrbuch (Holznutzung, Pflanzennachzucht, Wildbestände, Abschussplanung, …) und in den einschlägigen Gutachten der Regierung (Pflanzen-,Gefahren- und Waldfunktionenkartierung, Landeswaldinventar, Schalenwild- und Meile-Gutachten,…) für jedermann nachzulesen festgehalten sind: Danach funktioniert die Naturverjüngung auf über 90 Prozent der Waldfläche; die Abschusspläne der Regierung wurden erfüllt und dabei der Gams- und Hirschbestand in den vergangenen Jahrzehnten gewaltig reduziert; Schälschäden gibt es nicht mehr, und über Triebverbiss gibt es mangels einer forstlichen Planung keine objektiven Erhebungen; Schutzwald höchster Priorität und Wildlebensräume überlappen sich nur auf wenigen Prozent der Waldfläche; die Wasserschutzfunktion des Waldes könnte leicht gewährleistet werden, wenn die Wälder naturnahe gepflegt, nicht raubbaumässig übernutzt und vor allem die Waldböden nicht von schweren Maschinen wie Äcker durchpflügt würden.
Völlig egal ist mir, wer als Förster oder Jäger tätig ist; inakzeptabel aber und letztlich fatal für Wald und Wild als öffentliche Güter ist es, wenn deren vermeintliche Vertreter, Waldbesitzer und Amt, in Trumps Stiefeln mit der Unterschlagung von Fakten und steten Gesetzesverstössen neue Gewissheiten schaffen und einen Ausrottungsfeldzug gegen das Wild inszenieren wollen – den Wald quasi zertrampen.

Felix Näscher, Kirchstrasse 11, Vaduz

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