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Leserbrief

Beschämende Rentenpolitik

Hansrudi Sele, Pradafant 1, Vaduz | 7. Juni 2021

Die AHV-Renten haben viel an Wert verloren, weil während der vergangenen zehn Jahre keine Teuerungsanpassungen vorgenommen worden sind. «Die Gesetzeslage mit dem nackten Bezug auf den Preisindex lässt …. (auch) in den nächsten zehn Jahren keine Teuerungsanpassung zu», schreibt der Landtagsabgeordnete Johannes Kaiser in seinem Standpunkt zu den AHV-Renten («Volksblatt» vom 4. Juni 2021). Eine wirksame Verarmungsstrategie! Die Sparpolitik zulasten der AHV-Rentner – rund 50 Prozent der AHV-Bezüger haben keine Pensionskasse! – ist eine beschämende Haltung der dafür verantwortlichen Politiker des reichen Liechtensteins, das Jahr für Jahr Steuergewinne – ein abstruser Begriff für zuviel einkassiertes Geld! – auf die hohe Kante legt. Allerdings weiss niemand, wofür die mittlerweile 3,5 Milliarden Fondsvermögen dereinst verwendet werden sollen. Beim nächsten Börsencrash wird wohl wieder ein grosser Teil davon zerbröseln.
Im selben Zeitraum, da das wohlhabende Liechtenstein auf Teuerungsanpassungen bei den AHV-Renten verzichtete, haben sowohl Österreich wie auch Deutschland die Renten regelmässig angepasst: Österreich seit 2011 um 20,65 Prozent, Deutschland seit 2012 um 24,46 Prozent. Auch in der Schweiz wurden die Renten während der letzten zehn Jahre viermal angepasst. Was schon erstaunt, ist die Tatsache, dass zur ungerechtfertigten jahrelangen Einfrierung der AHV-Renten trotz ständig steigender Lebenskosten keine der diversen Seniorenorganisationen je öffentlich Stellung bezogen hat oder dies aktuell tut. Worin bestehen deren Aufgaben? Anders AHV-Direktor Walter Kaufmann, der laut Kaiser mehrfach auf diverse Nachteile und negative Querwirkungen der langen Phase ohne Rentenanpassung hingewiesen hat. Nun stellt Johannes Kaiser eine Interpellation im Landtag zur «Teuerungsanpassung für AHV-Renten» in Aussicht. Mal schauen, wie sich das neue politische Personal der Korrektur dieser nicht länger tragbaren beschämenden Sozialpolitik annimmt.

Hansrudi Sele, Pradafant 1, Vaduz

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