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Leserbrief

Angriff aus Berlin

Loretta Federspiel, Werthsteig 9, Mauren | 2. Juni 2021

Ein bescheidener Leserbrief in der Landeszeitung («Volksblatt» vom 19. Mai 2021) ist ins ferne Berlin gelangt und hat dort bei zwei lesbischen Frauen für grossen Aufruhr gesorgt. «Wir, die wir gläubig sind», sagen sie, sind «empört» darüber, dass Herr Jaquemar nicht als schwul angesehen werden möchte, wenn er sich die geschenkte, regenbogenfarbige Stola umlegt. Er entlarve sich als «Heuchler». Die lesbisch-schwule Community brauche seine angebliche «Solidarität» nicht. (Wenn sie sie nicht brauchen, warum regen sie sich dann auf, sollen sie’s doch lassen.)
Es war eine einfache Frage, die Herr Jaquemar, Pfarrer in Nendeln gestellt hat: Warum eignet sich die LGBTIQ-Gemeinschaft («Community der Lesben-Schwulen/Gay-Bisexuellen-Transgender-Queer») die Regenbogenfarbe als ihr Symbol an?
Die Geschichte erzählt, dass Gott die Nase voll hatte vom verdorbenen Menschengeschlecht und dieses ertränken wollte. Für die paar Geretteten in der Arche liess er am Himmel den Regenbogen aufleuchten als Zeichen ewiger Friedensschliessung zwischen ihm und den Erdenbewohnern.
In nordischen Mythen ist der Regenbogen «Bifröst» die Brücke für die Seele in den Himmel wie auch für die Götter, wenn sie die Erde besuchen. Er ist aus Tropfen, Luft und Sonne gewoben, etwas vielmehr Geistiges als Materielles. Jeder Mensch freut sich, wenn diese zarte, vollkommene Erscheinung am Himmel gesichtet wird.
Kürzlich wehten die Regenbogenfarben auch auf den Fahnen in Schaan, um auf die LGBTIQ-Bewegung aufmerksam zu machen. Die Fahnen tun ihre Wirkung nur im Zusammenhang mit dem Wind, und dieser wiederum ist auch nicht mit den Händen zu fassen. Wind ist wie der Geist, der «weht wo er will». In der Pfingsterzählung heisst es, ein Sturm wehte um das Haus, wo die Jünger Jesu versammelt waren, es war der Heilige Geist, der sie dann in allen Sprachen verständlich reden liess.
Es ist einsichtig und richtig, dass die Friedensbewegung die Regenbogenfarben als ihr Zeichen wählt. Nun werden diese Symbole aber, auf die rein körperliche, materielle Erscheinung sexuell verschiedenartig ausgerichteter Menschen reduziert. Daran darf man sich doch stossen, ohne ein Heuchler zu sein. Das Ungeistige ist ein Generalangriff aufs Gute.

Loretta Federspiel, Werthsteig 9, Mauren

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