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Leserbrief

Gefangen im Zusammenspiel von Jagd, Forst und Verwaltung

Mario F. Broggi, St. Mamertenweg 35, Triesen | 17. Mai 2021

Jagd, Forst und Verwaltung sind in der Wald-Wild-Frage ineinander verkeilt. Das lässt kaum ökologische Argumente und eine Gesamtschau zu.
In der Wildforschung gilt als gesichert, dass eine reine Bestandesregulierung durch die Jagd unserer komplexen Landschaft und den heutigen Anforderungen an die Wildfrage nicht gerecht wird. Es braucht Visionen für die Jagd, wie wir sie beispielsweise in der Raumplanung zu ordnen wissen. Das hiesse u. a. die Landschaft in Zonen einzuteilen. Im sanierungsbedürftigen Schutzwald, also auf ca. 10 Prozent der Waldflächen, könnte zur Sicherung der Waldverjüngung verstärkt gejagt werden. Dafür müsste andererseits dem Schalenwild Lebensraum ungestört zur Verfügung gestellt werden. Das gab es bereits einmal in Liechtenstein. Die ganzjährigen Ruhegebiete wurden auf Druck der Sportler im Alpenverein wieder aufgegeben, weil diese meinten, immer und überall die Landschaft konsumieren zu dürfen.
Der geplanten Revision des liechtensteinischen Jagdrechtes fehlt eine ganzheitliche Betrachtung. Man fokussiert sich auf den Abschuss mit Zahlenspielerei anscheinend aus dem hohlen Bauch heraus. Gefragt wäre ein faktenorientiertes Suchen für die guten Lösungen, was nach Offenheit für andere Blickwinkel verlangt. Die Forschung weiss, zwischen neuer Erkenntnis und ihrer Anwendung in der Praxis kann eine längere Zeit vergehen. Das bestätigt sich nun auch in Liechtenstein.
Da lässt man am Beispiel des Gamswildes von Experten der Universität für Bodenkultur in Wien eine Studie erstellen, die das Lebensraum-Potenzial für diese Tierart und seine Bewirtschaftung erhoben hat. Die getätigten Aussagen berücksichtigt man jetzt zur Festlegung des festgelegten Gams-Abschusses nicht. Braucht es auch hier die lange Zeit für die nötige Akzeptanz der Erkenntnisse in der Verwaltung, falls wir bis dann noch Gamswild im Land haben?

Mario F. Broggi,
St. Mamertenweg 35, Triesen

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